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AREI-Vorschriften 2026: Die wichtigsten Änderungen

Was sich im belgischen AREI/RGIE zum 1. April 2026 geändert hat, was am 1. November 2026 folgt und wie du die Auswirkungen auf Planung, Dossier und Kontrolle einordnest.

Veröffentlicht am 2. Januar 2026 Aktualisiert am 5. Oktober 2026 11 min

Was seit dem 1. April 2026 gilt

Seit dem 1. April 2026 gilt Buch 1 V06 des AREI/RGIE. Die wichtigste Neuerung: Geerdete Gleichstromsysteme sind jetzt systematisch geregelt – mit DC-Ausführungen der Systeme TN, TT und IT, eigenen Leiterbezeichnungen und neuen Empfindlichkeitsklassen für Differenzialschalter bei glattem Gleichstrom. Für die klassische Wechselstrom-Hausinstallation bringt die Fassung keine pauschal neue Pflicht. Am 1. November 2026 folgt mit Version 07 eine weitere, eng begrenzte Änderung: Die Verplombung des Differenzialschalters am Anfang der Anlage entfällt.

Das belgische AREI – französisch RGIE – besteht aus drei Büchern; für Niederspannungsinstallationen in Wohngebäuden ist Buch 1 maßgeblich. Grundlage der neuen Fassung ist der Königliche Erlass vom 6. Oktober 2025, veröffentlicht am 29. Oktober 2025; ein Erratum vom 5. November 2025 korrigierte nur die Darstellung, nicht den Inhalt. Der FÖD Wirtschaft nennt den Umfang auf seiner Übersichtsseite zum aktuellen RGIE; dort steht auch die verbindliche Fassung von Buch 1 für 2026.

Redaktion und Prüfung: PlanElec-Team, 5. Oktober 2026.

Die Änderungen von Version 06 im Überblick

BereichWas sich geändert hatFundstelle Buch 1
SystemeGeerdete Gleichstromsysteme TN (TN-S, TN-C, TN-C-S), TT und IT neben den Wechselstromsystemen2.2.1.2, 3.2.2.2
LeiterNeue Leiterbezeichnungen L+, L−, M sowie PEM und PEL als kombinierte Schutz- und aktive LeiterTeil 2
DifferenzialschalterEmpfindlichkeitsklassen getrennt für Wechselstrom bzw. Gleichstrom mit Welligkeit und für glatten Gleichstrom2.6.4
Schutz gegen elektrischen SchlagAutomatische Abschaltung für DC-TN/TT/IT ergänzt, Isolationsüberwachung in IT-Systemen präzisiert4.2.3.4
ErdungNeue Anforderung an mechanische und chemische Beständigkeit und Korrosionsschutz der Erdungsanlage5.4.2.3
ÜbergangFür vorher begonnene Anlagen bleiben bestimmte zweiphasige TN-Kreise mit kleinem PEN und IT-Anlagen ohne Dauerüberwachung zulässig4.2.3.4 e, 6.5.8.2 Nr. 5, 8.3.2.2 Nr. 7

Die neuen Empfindlichkeitsklassen für Differenzialschalter

EmpfindlichkeitWechselstrom / Gleichstrom mit WelligkeitGlatter Gleichstrom
Sehr hochhöchstens 10 mAhöchstens 20 mA
Hochüber 10 bis höchstens 30 mAüber 20 bis höchstens 80 mA
Mittelüber 30 bis höchstens 1000 mAüber 80 bis höchstens 1000 mA
Geringüber 1000 mAüber 1000 mA

Wo Buch 1 einen „hochempfindlichen“ Differenzialschalter verlangt, etwa für Steckdosen und Bad (4.2.4.3 b), gilt für Wechselstrom unverändert die 30-mA-Grenze. Neu ist die eigene Skala für glatten Gleichstrom (2.6.4).

Übergangsregel für Anlagen, die vorher begonnen wurden

Die Übergangsregeln betreffen vor allem Nichtwohnanlagen: Wurde die Ausführung vor Ort vor dem Inkrafttreten begonnen, dürfen zweiphasige TN-Stromkreise mit einem PEN-Querschnitt unter 10 mm² Kupfer bzw. 16 mm² Aluminium in Betrieb bleiben. IT-Anlagen ohne permanente Isolationsüberwachung bleiben zulässig, wenn die Meldung eines ersten Fehlers aus Sicherheitsgründen nicht nötig ist, kein Sonderfall die Überwachung verlangt und die Grundanforderung von 4.2.3.4 d.2 erfüllt ist (6.5.8.2 Nr. 5; für ältere Nichtwohnanlagen 8.3.2.2 Nr. 7). Projekte, die vor dem Stichtag begonnen wurden und erst danach ihre Konformitätsprüfung erhalten, können diese Abweichung über 4.2.3.4 e nutzen; die Kontrollstelle vermerkt das im Bericht. Ob die Voraussetzungen vorliegen, lässt sich nicht aus einem Eindrahtschema ablesen – das klärt deine Fachkraft mit der Kontrollstelle.

Nachtrag: Buch 1 Version 07 ab 1. November 2026

Der Königliche Erlass vom 13. August 2026 (Belgisches Staatsblatt vom 15.09.2026) hebt in den Teilen 4 und 6 von Buch 1 die Pflicht auf, den Differenzialschalter am Anfang einer häuslichen Anlage bei Konformität zu verplomben. Buch 1 erhält damit Version 07, anwendbar ab 1. November 2026. Ein Vergleich der Volltexte zeigt: Das ist die einzige inhaltliche Änderung gegenüber Version 06.

Details, Fundstellen und die Auswirkung auf Prüfberichte: Was ändert sich am 1. November 2026 bei der Verplombung von Differenzialschaltern?

Gleichstrom wird systematisch eingeordnet

Photovoltaik, Batteriespeicher, Gleichstromverteilungen und rückspeisefähige Geräte bringen Gleichstrom in Gebäude, die bisher nur Wechselstrom kannten. Version 06 ergänzt deshalb die bekannten Netzsysteme um geerdete Gleichstromsysteme (3.2.2.2). Die Buchstaben TN, TT und IT beschreiben weiterhin, wie aktive Leiter, Erde und berührbare leitfähige Teile zueinander stehen; die Schutzmaßnahme passt jetzt aber zur Gleichstromquelle, zur Erdung und zum Abschaltverhalten.

Nicht jedes Haus braucht deshalb ein DC-Netz. Sobald ein DC-Teil aber über die typische, geräteinterne PV-Verkabelung hinausgeht oder eine eigene geerdete Verteilung bildet, dokumentierst du ihn nicht wie einen gewöhnlichen AC-Abgang. Kläre mit deiner Fachkraft mindestens:

  • Wo beginnt und endet der DC-Teil der Anlage?
  • Ist das System gegen Erde isoliert oder bewusst geerdet, und an welchem Punkt?
  • Welche aktiven Leiter werden geschaltet und getrennt?
  • Welche Schutzmaßnahme reagiert bei einem Isolationsfehler?
  • Welche Abschaltbedingungen gelten für die gewählte TN-, TT- oder IT-Ausführung?
  • Welche Herstellerangaben begrenzen Spannung, Polarität, Schutzgerät und Leitungsführung?

Aus dem Begriff „Batterie“ oder „PV“ folgt weder ein bestimmtes Erdungssystem noch eine universelle Schutzlösung. Die Auslegung macht eine qualifizierte Elektrofachkraft; die Kontrollstelle beurteilt die fertige Anlage nach dem geltenden Regelwerk und den vorgelegten Unterlagen.

Was 2026 nicht neu ist

Wallboxen

Das Sonderkapitel 7.22 für Ladeeinrichtungen gab es schon vor 2026. Es verlangt einen eigenen Stromkreis je Anschlusspunkt (7.22.3), einen individuellen Differenzialschalter von höchstens 30 mA je AC-Stromkreis und Schutz bei Isolationsfehlern mit Gleichstromanteil – entweder durch einen dafür gebauten Differenzialschalter oder durch einen Differenzialschalter mit abgestimmter DC-Fehlerstromerkennung (7.22.4.1 b). Welche Kombination passt, ergibt sich aus Ladegerät, Schutzkette und Herstellerdatenblatt.

Bei bidirektionalen Ladegeräten kommt der Netzanschluss hinzu: Laut Synergrid-Übersicht zu dezentralen Erzeugungseinheiten fallen sie in den Anwendungsbereich von C10/11 und benötigen eine C10/26-Typzulassung. Rein unidirektionale Netz-zu-Fahrzeug-Lader fallen nicht allein deshalb unter C10/26.

Badezimmer

Bad und Dusche bleiben ein eigenes Kapitel (7.1). Bereiche, IP-Anforderungen, zulässige Betriebsmittel und Differenzialschutz prüfst du dort im aktuellen Volltext. Eine allgemeine „neue Zone 3 ab 2026“ gibt es nicht. Auch IPX5 ist nicht pauschal für Bereich 1 vorgeschrieben: Tabelle 7.3 nennt AD4 als Mindestwert, der sich je nach äußeren Einflüssen erhöht, etwa wenn mit Wasserstrahl gereinigt wird. Nimm Geometrie und festen Wasserauslass genau auf, statt eine vereinfachte Internetgrafik zu übernehmen.

Überspannungsschutz, PV und digitale Unterlagen

Überspannungsschutz, PV-Schutzkonzepte und elektronische Unterlagen sind keine neuen 2026-Pflichten. Buch 1 enthält dafür Anforderungen und Grundsätze, deren Anwendung von Anlage, Risiko, Gerätetechnik und Ausführungsdatum abhängt. Ein elektronisch übermittelter Kontrollbericht ist außerdem keine neue materielle Schutzvorschrift.

Welche Installation ist von welcher Regel betroffen?

Die entscheidende Frage lautet: Wann wurde welcher Teil ausgeführt, und welche Arbeit erfolgt jetzt? Eine bestehende Anlage wird weiterhin mit den zulässigen Abweichungen beurteilt, ein neuer Stromkreis erfüllt die aktuellen Anforderungen. Bei einer wesentlichen Änderung oder Erweiterung folgt vor der Ingebrauchnahme eine Konformitätsprüfung der Änderung und ihrer Auswirkungen auf den unveränderten Teil (6.4.7.3).

Die FÖD-Seite zur Kontrolle häuslicher Elektroinstallationen nennt die Kontrollanlässe: vor Ingebrauchnahme, bei wesentlichen Änderungen oder Erweiterungen, bei bestimmten Leistungserhöhungen, beim Verkauf einer Wohneinheit und periodisch. Kleine Arbeiten wie eine zusätzliche Steckdose an einem bestehenden Stromkreis können als unwesentliche Erweiterung gelten; die Einordnung hängt vom tatsächlichen Umfang ab.

Für ein Renovierungsprojekt führst du am besten eine kurze Änderungsliste:

  1. Bestand mit Datum oder vermutetem Errichtungszeitraum erfassen.
  2. Neue und unveränderte Anlagenteile im Plan unterscheiden.
  3. Auswirkungen neuer Quellen, Speicher oder Ladegeräte auf Verteiler und Schutzkette prüfen.
  4. Offene Annahmen mit Elektriker und Kontrollstelle klären.
  5. Eindrahtschema und Positionsplan nach der Ausführung aktualisieren.

Dossier und Pläne: was die Kontrolle verlangt

Der FÖD nennt für eine häusliche Kontrolle mindestens Eindrahtschema, Positionsplan und – falls vorhanden – die EAN-Nummer. Das Eindrahtschema zeigt Stromkreise, Verbindungen und Betriebsmittel mit ihren Merkmalen, der Positionsplan verortet Verteiler, Dosen, Steckdosen, Leuchten, Schalter, feste Geräte und Quellen. Beide gehören zur Anlagenakte, zusammen mit Kontrollberichten, Beschreibungen unwesentlicher Änderungen und technischen Unterlagen, etwa für PV-Komponenten (9.1.2).

Bei einem DC-System gehen die Unterlagen über eine Gerätebezeichnung hinaus: eindeutige Quellen- und Leitungszuordnung, Nennspannungen, Polarität, Trennstellen, Schutzgeräte, Erdungskonzept und der Verweis auf das jeweilige Herstellerdokument. Ein sauberer Plan ersetzt keine Berechnung und keine Messung, macht aber sichtbar, ob alle Beteiligten über dieselbe Anlage sprechen.

Praktische Prüfung für Projekte im Jahr 2026

Regelstand prüfen. Verwende die Fassung, die am geplanten Ausführungsdatum gilt – bis 31. Oktober 2026 Version 06, ab 1. November 2026 Version 07. Maßgeblich sind die Veröffentlichungen des FÖD Wirtschaft.

Anwendungsbereich bestimmen. Notiere, ob es um Neubau, wesentliche Erweiterung, kleine Änderung, Verkauf, periodische Kontrolle oder Leistungserhöhung geht. Prüfe bei Ladegeräten die Richtung des Energieflusses; bidirektionale Technik löst Netzbetreiberanforderungen aus, die ein unidirektionaler Lader nicht hat.

Nachweise sammeln. Halte Kabel- und Schutzgeräteauswahl, Herstelleranweisungen, Messwerte und Pläne zusammen. Bei DC-Komponenten enthalten die Datenblätter Aussagen zu zulässiger Erdung, Fehlerstromverhalten und Abschaltung; fehlen sie, fordere sie beim Hersteller an.

Versionskontrolle im Projekt organisieren

Dokumentiere, welche Fassung für welche Entscheidung galt: Ausführungsdatum, verwendete Buchfassung, betroffene Kapitel, offene Fachfragen und verantwortliche Prüfer. Wird die Planung nach einer Regeländerung fortgeführt, vergleichst du gezielt die betroffenen Punkte, statt frühere Entscheidungen ungeprüft zu verwerfen.

Bei Herstellerunterlagen gehören Modellbezeichnung, Firmware- oder Variantenstand und Ausgabedatum zur Referenz. Gerade bei Wechselrichtern, Speichern und Ladegeräten haben äußerlich ähnliche Varianten oft unterschiedliche Fehlerstromerkennung, Erdungsbedingungen oder Netzfunktionen.

Trenne in Besprechungsprotokollen drei Ebenen: den verbindlichen Text des AREI, die technische Auslegung durch die Fachkraft und die Regeln, die der Software-Selbstcheck prüft. So bleibt nachvollziehbar, ob ein Punkt gesetzlich gefordert, als gute Fachpraxis gewählt oder noch nicht maschinell ausgewertet wurde. Vor der Kontrolle gibt eine verantwortliche Person den dokumentierten Endstand frei und bestätigt damit, dass Plan, Gerätestand und ausgeführte Anlage synchron sind.

Was PlanElec leistet

PlanElec führt dich vom Grundriss über die elektrische Topologie zu Eindrahtschema, Positionsplan und PDF-Export. Die AREI/RGIE-Selbstprüfung meldet Befunde in den unterstützten, aus deinen Projektdaten entscheidbaren Regeln. Den Regelwerksvolltext hält PlanElec auf dem Stand von Buch 1 V06, gültig seit dem 1. April 2026; der PlanElec-Assistent beantwortet Fachfragen mit Quellen aus diesem Volltext.

Die Prüflogik deckt einen dokumentierten Ausschnitt dieser Regeln ab. Geerdete DC-TN-, TT- und IT-Systeme, ihre Leiterrollen und die zugehörige Schutzlogik sind noch nicht vollständig modelliert; erkennt PlanElec solche DC-Teile, weist die Prüfung sie als unvollständig bewertet aus, statt sie als bestanden zu zählen. Für diese Punkte liefern Fachplanung, Herstellerunterlagen und Kontrollstelle die Antwort. PlanElec hält die Informationen strukturiert und konsistent; das positive Urteil über die Anlage gibt die zugelassene Kontrollstelle.

Kurzfazit

Die belastbare Neuerung 2026 ist die systematische Aufnahme geerdeter Gleichstromsysteme in Buch 1, samt neuer Leiterbezeichnungen und DC-Empfindlichkeitsklassen für Differenzialschalter; ab 1. November 2026 entfällt zusätzlich die Verplombung. Für bestehende AC-Hausinstallationen folgt daraus kein pauschaler Umbauauftrag. Ordne zuerst den Anwendungsfall ein, arbeite mit dem aktuellen amtlichen Text und dokumentiere neue AC- und DC-Teile nachvollziehbar – so haben Elektriker und Kontrollstelle eine belastbare Grundlage.

Elektrische Dokumentation in PlanElec strukturieren →