Schaltschrank planen: Aufbau und Dimensionierung nach AREI
Verteiler planen nach AREI: Hauptschalter, 300-mA- und 30-mA-Differenzialschalter, höchstens 8 Kreise je 30-mA-Schalter, Reihenaufteilung, Reserve und ein komplettes Beispiel für ein Einfamilienhaus.
Einen Verteiler (Schaltschrank, Sicherungskasten) planst du in vier Schritten: Stromkreise zählen, die Schutzkette festlegen, Gruppen auf Reihen verteilen und Reserve einplanen. Das AREI gibt dafür feste Eckpunkte vor: einen Hauptschalter mit mindestens 40 A, am Speisepunkt einen Differenzialschalter von höchstens 300 mA, dahinter Differenzialschalter mit 30 mA für Steckdosen, Licht, Bad und Waschgeräte – mit höchstens acht Endstromkreisen pro Gerät. Diese Anleitung zeigt Aufbau, Regeln und ein vollständiges Beispiel für ein Einfamilienhaus.
Grundlagen: Aufbau eines Verteilers
DIN-Schiene (Hutschiene)
Alle Module im Verteiler rastest du auf genormte DIN-Schienen (35-mm-Hutschiene nach EN 60715) auf. Jede Schiene bildet eine Reihe.
Teilungseinheiten (TE)
Die Breite eines Moduls wird in TE gemessen. Eine TE entspricht 18 mm. Typische Breiten:
| Modul | Breite (TE) |
|---|---|
| Leitungsschutzschalter 1P+N | 1 TE (kompakt) oder 2 TE |
| Leitungsschutzschalter 2-polig | 2 TE |
| Leitungsschutzschalter 3-polig | 3 TE |
| Differenzialschalter 2-polig (30 / 300 mA) | 2 TE |
| Differenzialschalter 4-polig | 4 TE |
| Hauptschalter 2-polig | 2 TE |
| Hauptschalter 4-polig | 4 TE |
| Überspannungsschutz (SPD) | 2–4 TE |
| Klingeltransformator | 2 TE |
| Zeitschaltuhr | 2 TE |
Maßgeblich sind die Datenblätter der Geräte, die du tatsächlich einbaust.
Verteilergrößen
Verteiler werden nach Reihen und TE pro Reihe bemessen:
| Bezeichnung | Reihen | TE pro Reihe | Gesamt-TE |
|---|---|---|---|
| 1-reihig | 1 | 12–18 | 12–18 |
| 2-reihig | 2 | 12–18 | 24–36 |
| 3-reihig | 3 | 12–18 | 36–54 |
| 4-reihig | 4 | 12–18 | 48–72 |
Für das Einfamilienhaus im Beispiel unten passt ein 4-reihiger Verteiler mit 18 TE pro Reihe (72 TE) und lässt reichlich Platz für spätere Erweiterungen.
Was das AREI vom Gehäuse verlangt
In hauswirtschaftlichen Anlagen gehört der Verteiler der Klasse I oder II an, hat eine Rückwand, die über die ganze Lebensdauer nicht abnehmbar ist, und eine Tür. Er besteht aus nicht brennbarem, nicht hygroskopischem Material und ist ohne besondere Hilfsmittel leicht zugänglich (Unterabschnitt 5.3.5.1 Buchstaben a und c). Schutzgeräte für Stromkreise mit unterschiedlichen Energietarifen sitzen auf getrennten Platten mit mindestens 10 cm Abstand oder in einem eigenen Verteiler, sofern der Netzbetreiber nichts anderes erlaubt.
Schritt 1: Stromkreise zählen
Liste alle benötigten Stromkreise auf. Das Beispielhaus (3 Schlafzimmer, 150 m², ohne PV) ergibt diese Liste:
| Stromkreis | Anzahl im Beispiel | Leitungsschutzschalter |
|---|---|---|
| Beleuchtung | 3 | B10A oder B16A (1,5 mm²) |
| Steckdosen allgemein | 6 | B16A oder B20A (2,5 mm²) |
| Backofen | 1 | B20A mit 2,5 mm², B25A mit 4 mm² |
| Kochfeld | 1 | B32A mit 6 mm² oder dreiphasig nach Herstellerangabe |
| Geschirrspüler | 1 | B16A |
| Waschmaschine | 1 | B16A |
| Trockner | 1 | B16A |
| Kühlschrank | 1 | B16A |
| Boiler | 1 | B16A oder B20A |
| Wallbox (falls vorhanden) | 1 | nach Hersteller, z. B. B32A mit 6 mm² bei 7,4 kW einphasig |
Die Höchstwerte je Querschnitt stehen in Tabelle 4.11 (Unterabschnitt 4.4.1.4). Waschmaschine, Trockner, Geschirrspüler, Herd, Kochfeld, Backofen und jedes Gerät mit festem Standplatz ab 2600 W bekommen einen eigenen Stromkreis (5.2.1.2). An einem Steckdosenkreis hängen höchstens 8 Steckdosen (5.3.5.2 b); reine Lichtkreise haben keine feste Punktgrenze. Mehr dazu in Wie viele Steckdosen pro Stromkreis?.
Schritt 2: Die Schutzkette festlegen
Die Schutzgeräte ordnest du hierarchisch an, von der Einspeisung nach unten:
Hierarchie der Schutzgeräte
Hauptschalter (mind. 40 A)
└── Differenzialschalter am Speisepunkt ≤ 300 mA (mind. Typ A, mind. 40 A)
├── Differenzialschalter 30 mA #1 (Typ A)
│ ├── LS Licht EG (B10A)
│ ├── LS Licht OG (B10A)
│ ├── LS Steckdosen Wohnzimmer (B16A)
│ └── LS Steckdosen Flur (B16A)
├── Differenzialschalter 30 mA #2 (Typ A)
│ ├── LS Steckdosen Küche (B16A)
│ ├── LS Backofen (B20A)
│ ├── LS Geschirrspüler (B16A)
│ └── LS Steckdosen Schlafzimmer (B16A)
└── Differenzialschalter 30 mA #3 (Typ A)
├── LS Waschmaschine (B16A)
├── LS Bad (B16A)
├── LS Außen (B16A)
└── LS Garage (B16A)
Bei einem dreiphasigen Anschluss (3N~400/230 V) brauchst du 4-polige Hauptschalter und Differenzialschalter sowie für dreiphasige Abgänge mehrpolige Leitungsschutzschalter. Die Unterschiede zwischen den belgischen Netzformen erklärt der Artikel Einphasig oder dreiphasig?.
Was das AREI für die Schutzkette vorschreibt
| Element | Anforderung | Fundstelle |
|---|---|---|
| Hauptschalter | trennt alle Außenleiter und gegebenenfalls den Neutralleiter gleichzeitig; mindestens 40 A | 5.3.5.1 b |
| Differenzialschalter am Speisepunkt | Ansprechstrom höchstens 300 mA; übernimmt die Trennfunktion | 4.2.4.3 b |
| Alle Differenzialschalter | mindestens Typ A; am Speisepunkt mindestens 40 A Nennstrom; schalten alle aktiven Leiter einschließlich N | 5.3.5.3 a und c |
| 30-mA-Differenzialschalter | direkt nach dem Speisepunkt; schützt mindestens Steckdosen, Licht, Bad sowie Waschmaschine, Trockner und Geschirrspüler; höchstens acht Endstromkreise | 4.2.4.3 b |
| Ortsfeste Geräte | Kühlgeräte, Herd, Heizung und andere nicht genannte Kreise dürfen direkt hinter dem Differenzialschalter am Speisepunkt liegen | 4.2.4.3 b |
| Elektrische Wandheizung > 25 V AC | eigener Differenzialschalter mit höchstens 100 mA | 4.2.4.3 b |
Seit Version 07 von Buch 1 (Königlicher Erlass vom 13. August 2026) verplombt die Kontrollstelle den Differenzialschalter am Speisepunkt ab dem 1. November 2026 nicht mehr; die 300-mA-Pflicht selbst bleibt. Einzelheiten stehen im Artikel Verplombung des Differenzialschalters entfällt.
Wenn der Erdungswiderstand über 30 Ω liegt
Liegt der Erdungswiderstand des Erders über 30 Ω, planst du mindestens zwei Differenzialschalter mit hoher oder sehr hoher Empfindlichkeit. Jeder schützt höchstens sechzehn Einzel- oder Mehrfachsteckdosen. Die übrigen Kreise am Speisepunkt ergänzt du um mindestens einen Differenzialschalter von höchstens 100 mA pro Stromkreis oder Gruppe (4.2.4.3 b). Plane deshalb schon im Rohentwurf Platz für diese zusätzlichen Geräte ein, falls der Erdungswert noch nicht gemessen ist.
Typen von Differenzialschaltern
| Typ | Eigenschaft | Planungsgrenze |
|---|---|---|
| bis 300 mA, mind. Typ A | Schutz am Speisepunkt der Hausinstallation | Bemessungsstrom und Polzahl müssen passen; Typ S ist nur bei nachgewiesener zeitlicher Selektivität eine mögliche Lösung |
| bis 30 mA, Typ A | Hoch- oder sehr hochempfindlicher Schutz | Für die in 4.2.4.3 b genannten Stromkreise; zusätzliche Gerätebedingungen prüfst du anhand der Herstellerangaben |
| Typ B | Erfasst auch glatte Gleichfehlerströme | Nur wenn Fehlerstromspektrum und Gerätekonzept es verlangen; kein Automatismus für jede Wallbox oder jeden Wechselrichter |
| Typ F | Erfasst definierte Mischfrequenz-Fehlerstromanteile | Nur, wenn Last, Produktnorm und Herstellerunterlagen diese Charakteristik verlangen |
Geräte mit Halbleitern können störende Gleichstromanteile erzeugen. Unterabschnitt 5.3.5.3 Buchstabe f nennt dafür mehrere zulässige Lösungen, darunter einen Differenzialschalter, der auch bei solchen Fehlern sicher auslöst, oder eine Fehlergleichstrom-Erkennung in Koordination mit dem Differenzialschalter.
Selektivität
Selektivität zwischen vor- und nachgeschalteten Differenzialschaltern weist du aus Empfindlichkeit, Zeit-Strom-Kennlinien, Herstellerangaben zur Koordination und dem gesamten Schutzkonzept nach. Ein zeitverzögertes Gerät kann Teil der Lösung sein; für sich allein garantiert es keine Selektivität.
Schritt 3: Gruppen auf Reihen verteilen
AREI-Regel: höchstens 8 Endstromkreise pro 30-mA-Differenzialschalter
Nach Unterabschnitt 4.2.4.3 b schließt du an einen Differenzialschalter mit hoher oder sehr hoher Empfindlichkeit höchstens acht Endstromkreise an. Mit vier bis sechs Kreisen pro Gerät bleibt Luft für spätere Erweiterungen.
Typische Reihenaufteilung
| Reihe | Inhalt |
|---|---|
| Reihe 1 | Hauptschalter, Differenzialschalter am Speisepunkt (300 mA), SPD, evtl. Klingeltransformator |
| Reihe 2 | Differenzialschalter #1 (30 mA) mit seinen Kreisen (Licht und Steckdosen Wohnen) |
| Reihe 3 | Differenzialschalter #2 (30 mA) mit seinen Kreisen (Küche und Schlafzimmer) |
| Reihe 4 | Differenzialschalter #3 (30 mA) mit seinen Kreisen (Bad, Außen, Garage, Technik) |
Schritt 4: Reserve einplanen
Plane freie Plätze ein; 20 bis 30 % der TE sind eine bewährte Praxis, aber keine AREI-Vorgabe. Bei 20 Leitungsschutzschaltern heißt das: mindestens vier bis sechs freie TE. Leere Plätze verschließt du mit Blindabdeckungen.
Reserve brauchst du für:
- spätere Verbraucher wie Wallbox, Klimagerät oder Sauna,
- Umverteilung, wenn ein Differenzialschalter zu viele Kreise trägt,
- einen späteren Verteilertausch, den du dir so sparst.
Reserve bedeutet mehr als freie TE: Plane auch freie Klemmen, ausreichend Verdrahtungskanal, zugängliche N- und PE-Schienen, Platz für Messungen und eine dokumentierte Erweiterungsrichtung.
Beispiel: 4-reihiger Verteiler für ein Einfamilienhaus
Ein vollständiges Beispiel für ein belgisches Einfamilienhaus (3 Schlafzimmer, 150 m², einphasig, ohne PV):
Reihe 1 — Einspeisung und Schutz (18 TE)
| Position | Modul | TE | Funktion |
|---|---|---|---|
| 1–2 | Hauptschalter 2P | 2 | 40 A |
| 3–4 | Differenzialschalter 2P | 2 | 300 mA, Typ A, 40 A |
| 5–8 | SPD | 4 | Überspannungsschutz |
| 9–10 | Klingeltransformator | 2 | 8-V-Klingel |
| 11–18 | Reserve | 8 | Blindabdeckungen |
Reihe 2 — Gruppe 1: Beleuchtung und Wohnen (18 TE)
| Position | Modul | TE | Funktion |
|---|---|---|---|
| 1–2 | Differenzialschalter 30 mA | 2 | Typ A |
| 3 | LS B10A | 1 | Licht Erdgeschoss |
| 4 | LS B10A | 1 | Licht Obergeschoss |
| 5 | LS B10A | 1 | Licht Keller/Außen |
| 6 | LS B16A | 1 | Steckdosen Wohnzimmer |
| 7 | LS B16A | 1 | Steckdosen Esszimmer |
| 8 | LS B16A | 1 | Steckdosen Flur |
| 9–18 | Reserve | 10 | Blindabdeckungen |
Reihe 3 — Gruppe 2: Küche und Schlafzimmer (18 TE)
| Position | Modul | TE | Funktion |
|---|---|---|---|
| 1–2 | Differenzialschalter 30 mA | 2 | Typ A |
| 3 | LS B16A | 1 | Steckdosen Küche |
| 4 | LS B20A | 1 | Backofen (eigener Kreis) |
| 5 | LS B16A | 1 | Geschirrspüler (eigener Kreis) |
| 6 | LS B16A | 1 | Kühlschrank (eigener Kreis) |
| 7 | LS B16A | 1 | Steckdosen Schlafzimmer 1 |
| 8 | LS B16A | 1 | Steckdosen Schlafzimmer 2+3 |
| 9–18 | Reserve | 10 | Blindabdeckungen |
Reihe 4 — Gruppe 3: Bad, Außen, Technik (18 TE)
| Position | Modul | TE | Funktion |
|---|---|---|---|
| 1–2 | Differenzialschalter 30 mA | 2 | Typ A |
| 3 | LS B16A | 1 | Steckdosen Badezimmer |
| 4 | LS B16A | 1 | Waschmaschine (eigener Kreis) |
| 5 | LS B16A | 1 | Trockner (eigener Kreis) |
| 6 | LS B20A | 1 | Boiler (eigener Kreis) |
| 7 | LS B16A | 1 | Außensteckdosen |
| 8 | LS B16A | 1 | Garage |
| 9–18 | Reserve | 10 | Blindabdeckungen |
Gesamt: 18 Leitungsschutzschalter (kompakte 1P+N-Bauform), 4 Differenzialschalter, SPD, Hauptschalter und Klingeltransformator = 34 von 72 TE belegt, 53 % Reserve. Jeder 30-mA-Differenzialschalter trägt sechs Endstromkreise und bleibt damit unter der Grenze von acht. Das Kochfeld und eine spätere Wallbox finden in den Reserveplätzen Platz.
Typische Fehler bei der Verteilerplanung
| Fehler | Folge | Lösung |
|---|---|---|
| Zu wenige Reihen | Kein Platz, keine thermische Reserve | Aus Modulzahl, Verdrahtung und Gehäusedaten bemessen |
| SPD ungeprüft weglassen | Schutzkonzept bleibt unbelegt | Anwendbarkeit und Auswahl projektspezifisch prüfen |
| Mehr als 8 Endstromkreise pro 30-mA-Gerät | Verstoß gegen 4.2.4.3 b | Zusätzlichen Differenzialschalter einbauen |
| Fehlende Beschriftung | Verstoß gegen 3.1.3.1 | Jedes Schutzgerät beschriften (Stromkreiskennung und Funktion) |
| Differenzialschalter am Speisepunkt fehlt | Schutzkette am Speisepunkt unvollständig | Gerät bis höchstens 300 mA, mindestens Typ A und 40 A vorsehen |
| Wallbox-Schutz pauschal wählen | DC-Fehlerstromschutz kann unzureichend sein | Kapitel 7.22, integrierte DC-Erkennung und Herstellerangaben zusammen prüfen |
| Erdungswert ignorieren | Zu wenige Differenzialschalter bei > 30 Ω | Erdungsmessung abwarten oder Platz für zusätzliche Geräte reservieren |
| Keine nutzbare Reserve | Erweiterung wird unnötig aufwendig | Modul-, Klemmen- und Verdrahtungsreserve projektbezogen planen |
Beschriftung und Dokumentation
Unterabschnitt 3.1.3.1 verlangt, dass Steuer-, Schutz- und Trenneinrichtungen deutlich, auffällig und wischfest gekennzeichnet sind. Der Verteiler selbst trägt eine eigene Kennzeichnung und die Angabe der Versorgungsspannung (3.1.3.3). Beschrifte jedes Schutzgerät mit:
- Stromkreiskennung, identisch zu Eindrahtschema und Positionsplan (im Eindrahtschema identifiziert ein Großbuchstabe den Stromkreis, 3.1.2.1),
- Funktion, etwa „Licht EG“ oder „Steckdosen Küche“,
- optional Raum oder Etage.
Nutze einen Beschriftungsstreifen oder klebe die Übersicht in den Deckel; die meisten Hersteller liefern beschreibbare Einleger mit.
Vom Entwurf zur ausführbaren Planung
Die Modulzählung ist der räumliche Anfang. Vor der Bestellung prüft der Elektriker Anschlussdaten, Erdungssystem, den prospektiven Kurzschlussstrom, Selektivität beziehungsweise Backup-Schutz sowie die Herstellerfreigaben der kombinierten Geräte. Nennstrom, Ausschaltvermögen und Leiterquerschnitt übernimmst du deshalb nie ungeprüft aus einem Beispiel. Auch Verlustleistung im geschlossenen Gehäuse, Umgebungstemperatur, Belüftung und zulässige Klemmenbelegung bestimmen die Auswahl.
Geh Reihe für Reihe vor. Halte Einspeisung, Haupttrennung, Differenzstromschutz und Überspannungsschutz als nachvollziehbare Schutzkette fest. Ordne danach die Endstromkreise, aber verwechsle eine optisch saubere Reihe nicht mit elektrischer Selektivität. Bei PV, Batterie, Generator oder Ladeinfrastruktur zeigst du eindeutig, aus welcher Richtung Energie fließen kann und welche Teile bei abgeschaltetem Netz noch gespeist sein können. Die Herstellerunterlagen von Differenzialschalter, SPD, Wechselrichter oder Wallbox sind verbindliche Eingaben der Planung.
Vor dem Export gleichst du drei Ebenen ab: Die physische Belegung im Verteiler, die Schutzkette im Eindrahtschema und die Stromkreiskennungen im Positionsplan zeigen denselben Stand. Buch 1 V06 verlangt für Schemata, Pläne und Unterlagen eine eindeutige Nummer, Fassung und ein Fassungsdatum (Abschnitt 3.1.2). Bei hauswirtschaftlichen Anlagen stehen außerdem Name, Eigenschaft und gegebenenfalls Mehrwertsteuernummer des Verantwortlichen sowie die Adresse der Anlage auf Eindrahtschema und Positionsplan (3.1.2.1 a).
Übergabeprotokoll für den Verteiler
Halte vor dem Schließen der Abdeckung für jeden Abgang Stromkreiskennung, Zweck, Polzahl, Schutzgerät, Nennstrom, Leiterdaten und zugehörigen Differenzialschalter fest. Ergänze bei steuerbaren Lasten Schütz, Steuerstromkreis und Handbetätigung. Bei mehrphasigen Abgängen dokumentierst du die belegten Phasen; bei einphasigen Abgängen hilft eine Phasenliste, spätere Schieflast zu erkennen. Prüfe, ob jeder Neutralleiter dem richtigen Differenzialschalter zugeordnet ist und ob die Schutzleiteranschlüsse zugänglich bleiben.
Ein Foto ergänzt die strukturierte Angabe, ersetzt sie aber nicht. Klemmenbezeichnungen stimmen mit Schema und Beschriftungsstreifen überein. Anzugsdrehmomente oder thermische Nachkontrollen trägst du nur ein, wenn sie aus Herstelleranweisung oder Ausführungsprotokoll stammen.
Prüfe auch die mechanische Zugänglichkeit: Abdeckungen bleiben montierbar, Leiter liegen nicht vor Bedienelementen, und für spätere Messungen sind Messpunkte erreichbar. Getrennte N-Schienen, Brücken und Einspeisungen hältst du nachvollziehbar fest. Eine Reserveposition ohne sichere Anschlussmöglichkeit ist keine brauchbare Reserve.
Bewahre die freigegebene PDF-Fassung mit Prüfbericht, Messprotokollen und relevanten Datenblättern in der Anlagenakte auf. Bei einer späteren Erweiterung überschreibst du die alte Datei nicht: Erhöhe die Fassung, setze ein neues Fassungsdatum und beschreibe die Änderung. So bleibt nachvollziehbar, welcher Plan bei welcher Kontrolle den tatsächlichen Verteiler gezeigt hat.
So planst du den Verteiler in PlanElec
Im Schaltschrankeditor von PlanElec setzt du Module auf DIN-Schienen, automatisch oder von Hand; Gehäusevorschläge berücksichtigen erfasste Modulbreiten, Reserve und Zubehör. Bei Bestandsanlagen erkennt PlanElec sichtbare DIN-Module aus Fotos als prüfbaren Bestückungsvorschlag. Die AREI/RGIE-Selbstprüfung meldet unter anderem einen überfüllten Verteiler, mehr als acht Endstromkreise an einem 30-mA-Differenzialschalter, einen fehlenden Differenzialschalter am Speisepunkt, einen Hauptschalter oder Haupt-Differenzialschalter unter 40 A und Steckdosenkreise ohne 30-mA-Schutz; weniger als 20 % Reserve zeigt sie als Hinweis. Messwerte, Herstellernachweise und die Abnahme durch die zugelassene Kontrollstelle bleiben eigene Schritte. Welche Regeln die Selbstprüfung abdeckt, steht unter Was die Selbstprüfung kontrolliert.
Amtliche Grundlage
- FÖD Wirtschaft: RGIE/AREI, Buch 1
- FÖD Wirtschaft: deutsche Ausgabe von Buch 1
- Buch 1 V06: Abschnitte 3.1.2 und 3.1.3 (Schemata, Pläne, Kennzeichnung), Unterabschnitte 4.2.4.3, 4.4.1.4, 5.2.1.2, 5.3.5.1 bis 5.3.5.3; Verplombung nach Version 07 ab 01.11.2026 aufgehoben.
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