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Schaltschrank planen: Aufbau und Dimensionierung nach AREI

Vollständige Anleitung zur Planung eines Verteilerschranks. DIN-Schiene, Schutzgeräte, Reihenaufteilung und Beispiel-Layout für ein Einfamilienhaus.

Veröffentlicht am 7. April 2026 8 min Min. Lesezeit

Schaltschrank planen: Aufbau und Dimensionierung nach AREI

Der Verteilerschrank (auch Sicherungskasten, Schaltschrank oder Zählerschrank) ist das Herzstück jeder Elektroinstallation. Hier laufen alle Stromkreise zusammen, hier sitzen die Schutzgeräte, die Ihr Haus und Ihre Familie vor elektrischen Gefahren schützen. Eine durchdachte Planung spart nicht nur Geld, sondern verhindert auch Probleme bei der AREI-Kontrolle.


Grundlagen: Aufbau eines Verteilerschranks

DIN-Schiene (Hutschiene)

Alle Module im Verteiler werden auf standardisierte DIN-Schienen (35 mm Hutschiene nach EN 60715) aufgeschnappt. Jede Schiene bildet eine Reihe im Verteiler.

TE-Einheiten (Teilungseinheiten)

Die Breite eines Moduls wird in TE (Teilungseinheiten) gemessen. Eine TE entspricht 18 mm. Typische Breiten:

ModulBreite (TE)
MCB 1-polig1 TE
MCB 2-polig2 TE
MCB 3-polig3 TE
RCD 2-polig (30 mA / 300 mA)2 TE
RCD 4-polig4 TE
Hauptschalter 2-polig2 TE
Hauptschalter 4-polig4 TE
SPD (Überspannungsschutz)2–4 TE
Klingeltransformator2 TE
Zeitschaltuhr2 TE

Verteilergrößen

Verteiler werden nach Reihen und TE pro Reihe dimensioniert:

BezeichnungReihenTE pro ReiheGesamt-TE
1-reihig112–1812–18
2-reihig212–1824–36
3-reihig312–1836–54
4-reihig412–1848–72

Für ein typisches Einfamilienhaus empfehlen wir mindestens einen 4-reihigen Verteiler mit 18 TE pro Reihe (72 TE gesamt).


Schritt 1: Stromkreise zählen

Listen Sie alle benötigten Stromkreise auf. Für ein durchschnittliches Einfamilienhaus (3 Schlafzimmer, 150 m²) rechnen Sie mit:

TypAnzahlMCB
Beleuchtung3–4 KreiseB10A oder B16A
Steckdosen allgemein4–6 KreiseB16A
Küche dediziert (Backofen)1B20A mit mind. 2,5 mm², B25A mit 4 mm², B32A mit 6 mm²
Küche dediziert (Kochfeld)1B32A (3-phasig ggf.)
Küche dediziert (Geschirrspüler)1B16A
Waschmaschine1B16A
Trockner1B16A
Badezimmer Steckdosen1B16A
Außensteckdosen1B16A
Boiler / Warmwasser1B16A oder B20A
Garage1B16A
Wallbox (falls vorhanden)1B32A
Gesamt17–21 Kreise

Tipp: Maximal 8 Steckdosen pro Stromkreis (AREI Art. 5.3.5.2b). Lichtkreise dürfen mehr Punkte haben, aber in der Praxis empfehlen sich max. 8 Leuchten pro Kreis.


Schritt 2: Schutzgeräte wählen

Die Schutzgeräte werden hierarchisch angeordnet — von der Einspeisung (oben) nach unten:

Hierarchie der Schutzgeräte

Hauptschalter (40A oder 63A)
   └── Haupt-RCD 300 mA (Typ A-S, selektiv)
        ├── Gruppen-RCD 30 mA #1 (Typ A)
        │    ├── MCB Licht EG (B10A)
        │    ├── MCB Licht OG (B10A)
        │    ├── MCB Steckdosen WZ (B16A)
        │    └── MCB Steckdosen Flur (B16A)
        ├── Gruppen-RCD 30 mA #2 (Typ A)
        │    ├── MCB Steckdosen Küche (B16A)
        │    ├── MCB Backofen (B20A)
        │    ├── MCB Geschirrspüler (B16A)
        │    └── MCB Steckdosen SZ (B16A)
        └── Gruppen-RCD 30 mA #3 (Typ A)
             ├── MCB Waschmaschine (B16A)
             ├── MCB Bad (B16A)
             ├── MCB Außen (B16A)
             └── MCB Garage (B16A)

Hinweis: Bei dreiphasigem Anschluss (3N~400V) werden 4-polige Hauptschalter, RCDs und ggf. MCBs benötigt.

RCD-Typen

TypAuslösestromEinsatz
300 mA Typ A-S300 mA, selektiv (zeitverzögert)Haupt-RCD, löst nur bei Fehler hinter Gruppen-RCDs
30 mA Typ A30 mA, unverzögertGruppen-RCD, Personenschutz
30 mA Typ B30 mA, AllstromsensitivFür Wallbox / Wechselrichter mit DC-Komponente
30 mA Typ F30 mA, frequenzsensitiv (erkennt frequenzgemischte Fehlerströme durch Frequenzumrichter, bis 1 kHz)Für Frequenzumrichter (Wärmepumpe)

Selektivität

Der Haupt-RCD (300 mA, Typ S = selektiv) ist zeitverzögert und löst erst aus, wenn der Gruppen-RCD (30 mA) nicht reagiert hat. Dadurch fällt bei einem Fehler nur der betroffene Gruppen-RCD, nicht die gesamte Anlage.


Schritt 3: Aufteilung auf Reihen

AREI-Regel: Max. 8 Endstromkreise pro RCD

Gemäß AREI Art. 4.2.4.3b dürfen maximal 8 Endstromkreise hinter einer Differenzstrom-Schutzeinrichtung (RCD) angeschlossen werden. In der Praxis empfehlen sich 4–6 MCBs pro RCD für eine komfortable Reserve.

Typische Reihenaufteilung

ReiheInhalt
Reihe 1Hauptschalter, Haupt-RCD (300 mA), SPD, evtl. Klingeltransformator
Reihe 2Gruppen-RCD #1 (30 mA) + zugehörige MCBs (Licht + Steckdosen Wohnen)
Reihe 3Gruppen-RCD #2 (30 mA) + zugehörige MCBs (Küche + Schlafzimmer)
Reihe 4Gruppen-RCD #3 (30 mA) + zugehörige MCBs (Bad, Außen, Garage, Technik)

Schritt 4: Reserveplätze einplanen

Planen Sie mindestens 20 % Reserveplätze ein — besser 30 %. Das bedeutet:

  • Bei 20 benötigten MCBs → mindestens 4–6 freie TE-Plätze.
  • Leere Plätze werden mit Blindabdeckungen verschlossen.

Warum?

  • Zukünftige Erweiterungen (Wallbox, Klimaanlage, Saunaöfen).
  • Umverteilung, wenn ein RCD zu viele Kreise hat.
  • Vermeidung eines teuren Verteilertauschs.

Beispiel-Layout: 4-Reihen-Verteiler für Einfamilienhaus

Hier ein komplettes Beispiel für ein typisches belgisches Einfamilienhaus (3 SZ, 150 m², ohne PV):

Reihe 1 — Einspeisung & Schutz (18 TE)

PositionModulTEFunktion
1–2Hauptschalter 2P240A Hauptschalter
3–4Haupt-RCD 2P2300 mA Typ A-S
5–8SPD4Überspannungsschutz
9–10Klingeltransformator28V Klingel
11–18Reserve8Blindabdeckungen

Reihe 2 — Gruppe 1: Beleuchtung + Wohnen (18 TE)

PositionModulTEFunktion
1–2Gruppen-RCD 30 mA2Typ A
3MCB B10A1Licht Erdgeschoss
4MCB B10A1Licht Obergeschoss
5MCB B10A1Licht Keller/Außen
6MCB B16A1Steckdosen Wohnzimmer
7MCB B16A1Steckdosen Esszimmer
8MCB B16A1Steckdosen Flur
9–18Reserve10Blindabdeckungen

Reihe 3 — Gruppe 2: Küche + Schlafzimmer (18 TE)

PositionModulTEFunktion
1–2Gruppen-RCD 30 mA2Typ A
3MCB B16A1Steckdosen Küche
4MCB B20A1Backofen (dediziert)
5MCB B16A1Geschirrspüler (dediziert)
6MCB B16A1Kühlschrank (dediziert)
7MCB B16A1Steckdosen Schlafzimmer 1
8MCB B16A1Steckdosen Schlafzimmer 2+3
9–18Reserve10Blindabdeckungen

Reihe 4 — Gruppe 3: Bad, Außen, Technik (18 TE)

PositionModulTEFunktion
1–2Gruppen-RCD 30 mA2Typ A
3MCB B16A1Steckdosen Badezimmer
4MCB B16A1Waschmaschine (dediziert)
5MCB B16A1Trockner (dediziert)
6MCB B20A1Boiler (dediziert)
7MCB B16A1Außensteckdosen
8MCB B16A1Garage
9–18Reserve10Blindabdeckungen

Gesamt: 24 MCBs + 4 RCDs + SPD + Hauptschalter = ca. 40 TE belegt von 72 TE → 44 % Reserve


Typische Fehler bei der Schaltschrankplanung

FehlerKonsequenzLösung
Zu wenig ReihenKein Platz für ErweiterungenMind. 4 Reihen für EFH
Kein SPD (Überspannungsschutz)Empfohlen nach Regeln des Fachs (Art. 4.5.1)SPD vorsehen
Mehr als 8 Endstromkreise pro RCDAREI-Verstoß (Art. 4.2.4.3b)Zusätzlichen Gruppen-RCD einbauen
Fehlende BeschriftungBeanstandung bei KontrolleJeden MCB beschriften (Kreisnummer + Funktion)
Kein Haupt-RCD 300 mAFehlende SelektivitätImmer Haupt-RCD vorsehen
Falscher RCD-Typ für WallboxFehlerhafte AbschaltungTyp B oder Typ A-EV verwenden
Keine ReserveTeure NachrüstungMind. 20 % Freiplätze

Beschriftung und Dokumentation

Jeder MCB muss beschriftet werden mit:

  • Stromkreisnummer (identisch zum Eindrahtschema und Situationsplan)
  • Funktion (z. B. „Licht EG", „Steckdosen Küche")
  • Optional: Raum oder Etage

Kleben Sie die Beschriftung in den Deckel des Verteilers oder verwenden Sie einen Beschriftungsstreifen. Die meisten Verteilerhersteller liefern beschreibbare Einleger mit.


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