Situationsplan zeichnen: Schritt-für-Schritt-Anleitung nach AREI
Komplette Anleitung zum Erstellen eines AREI-konformen Situationsplans. Von der Grundrissvorbereitung über AREI-Symbole bis zur fertigen Zeichnung.
Situationsplan zeichnen: Schritt-für-Schritt-Anleitung nach AREI
Der Situationsplan (auch Lageplan oder Plan de Situation) zeigt, wo genau sich jede elektrische Komponente in Ihrem Gebäude befindet. Zusammen mit dem Eindrahtschema ist er eines der beiden Pflichtdokumente für jede Elektroinstallation in Belgien — ohne ihn besteht die Abnahme durch den zugelassenen Kontrollorganismus nicht.
Kurz erklärt: Während das Eindrahtschema die logische Verschaltung darstellt (welcher Schalter steuert welche Leuchte, über welchen Stromkreis), zeigt der Situationsplan die physische Position jeder Komponente im Grundriss.
In dieser Anleitung lernen Sie, wie Sie einen normgerechten Situationsplan Schritt für Schritt erstellen.
Schritt 1: Grundriss vorbereiten
Maße und Maßstab
Der Grundriss bildet die Basis Ihres Situationsplans. Sie können ihn aus einem Bauplan übernehmen oder selbst zeichnen.
Wichtig:
- Verwenden Sie einen einheitlichen Maßstab (üblich: 1:50 oder 1:100).
- Zeichnen Sie alle Wände, Türen und Fenster ein.
- Markieren Sie Öffnungsrichtungen von Türen (Viertelkreis) — das beeinflusst die Schalterposition.
Räume beschriften
Versehen Sie jeden Raum mit seiner Bezeichnung und idealerweise der Fläche:
| Kürzel | Raum | Typische Fläche |
|---|---|---|
| WZ | Wohnzimmer | 25–40 m² |
| KÜ | Küche | 10–20 m² |
| SZ | Schlafzimmer | 12–18 m² |
| BZ | Badezimmer | 5–10 m² |
| FL | Flur | 5–15 m² |
| GA | Garage | 15–30 m² |
| KE | Keller | variabel |
| AU | Außenbereich | variabel |
Schritt 2: AREI-Symbole verwenden
Das AREI schreibt in Tabelle 2.23 genau vor, welche Symbole verwendet werden müssen. Diese basieren auf der Norm IEC 60617. Hier die 10 wichtigsten Symbole für den Situationsplan:
| Nr. | Symbol | Beschreibung | Verwendung |
|---|---|---|---|
| 1 | ⏚ Halbkreis | Einfache Steckdose | Wandposition markieren |
| 2 | ⏚⏚ Doppel-Halbkreis | Doppelsteckdose | Wandposition markieren |
| 3 | ○ mit Kreuz | Deckenleuchte | Mitte des Raums/Position |
| 4 | ─○ mit Strich | Wandleuchte | An der Wand |
| 5 | Schaltzeichen | Einfacher Schalter | Neben der Tür (Öffnungsseite) |
| 6 | Schaltzeichen mit 2 Pfeilen | Serienschalter | Steuert 2 Leuchten |
| 7 | Schaltzeichen mit Linie | Wechselschalter | Zwei Stellen, ein Licht |
| 8 | Rechteck mit Blitz | Verteilerkasten | Meist Flur/Technikraum |
| 9 | ⏚ mit PE | Erdungsanschluss | Erdungspunkt |
| 10 | Kreis mit R | Rauchmelder | Fluchtwege (Flur, Treppenhaus), regional unterschiedlich |
Tipp: Verwenden Sie ausschließlich die AREI-Symbole. Eigene Fantasie-Symbole werden bei der Kontrolle beanstandet.
Schritt 3: Komponenten einzeichnen
Jetzt platzieren Sie die Symbole im Grundriss. Folgende Regeln helfen bei der korrekten Positionierung:
Steckdosen
- An der Wand einzeichnen, an der tatsächlichen Position.
- Küche: Arbeitsfläche mind. 4 Steckdosen, davon 2 über der Arbeitsplatte. Dedizierte Steckdosen für Backofen, Geschirrspüler, Kühlschrank.
- Wohnräume: Mind. 1 Steckdose pro angefangene 4 m² (Praxisempfehlung der Installateurverbände — das AREI schreibt keine Mindestanzahl von Steckdosen pro Fläche vor).
- Badezimmer: Niederspannungs-Steckdosen erst ab Bereich 2 (nur bei Badewannen, mit 30mA-FI) bzw. außerhalb der Bereiche. Bei Duschen existiert Bereich 2 nicht (Art. 7.1.3.2 Nr. 3b, Art. 7.1.5.2d).
- Außen: Falls Außensteckdose vorhanden, muss sie wettergeschützt (IP44) und mit eigenem 30-mA-FI-Schutz abgesichert sein.
Schalter
- Neben der Tür auf der Öffnungsseite, ca. 105 cm Höhe (Praxisempfehlung -- das AREI schreibt keine spezifische Schalthöhe vor, fordert aber 'leicht zugänglich').
- Wechselschalter bei Räumen mit mehreren Eingängen oder am Treppenanfang/-ende.
- Verbinden Sie Schalter und zugehörige Leuchten mit einer gestrichelten Linie.
Leuchten
- Deckenleuchten in die Raummitte oder an die geplante Position.
- Wandleuchten an der Wandposition.
- Jeder Raum braucht mindestens einen Lichtpunkt.
Rauchmelder
Seit dem belgischen Brandschutzgesetz Pflicht (regional unterschiedlich):
- In Flandern: Pflicht in Fluchtwegen (Flure, Treppenhäuser); in Schlafzimmern empfohlen, aber nicht vorgeschrieben.
- In Wallonien und Brüssel gelten eigene Regelungen.
- Flure und Treppenhäuser — mindestens ein Rauchmelder pro Etage.
- In der Küche optional (Hitzemelder bevorzugt wegen Fehlalarmen).
Sonderverbraucher
- Wallbox (Elektroauto): Garage oder Außenwand, eigener Stromkreis.
- Boiler/Durchlauferhitzer: Eigener Stromkreis, Position einzeichnen.
- Wärmepumpe/Klimaanlage: Außeneinheit + Inneneinheit markieren.
Schritt 4: Stromkreisnummern zuordnen
Jede Komponente im Situationsplan erhält die gleiche Stromkreisnummer wie im Eindrahtschema. Das ist essentiell für die Zuordnung bei der Kontrolle.
So funktioniert es:
- Nummerieren Sie Ihre Stromkreise im Eindrahtschema durch (1, 2, 3, ...).
- Schreiben Sie die Nummer an jede Komponente im Situationsplan.
- Verwenden Sie einheitliche Notation: z. B. „K1" für Stromkreis 1 oder einfach „1".
Beispiel:
- Stromkreis 1: Beleuchtung Erdgeschoss → Alle Leuchten im EG erhalten „1".
- Stromkreis 2: Steckdosen Wohnzimmer → Alle WZ-Steckdosen erhalten „2".
- Stromkreis 3: Steckdosen Küche → Alle KÜ-Steckdosen erhalten „3".
- Stromkreis 4: Dediziert Backofen → Eine Steckdose mit „4".
Wichtig: Die Nummern müssen zwischen Eindrahtschema und Situationsplan exakt übereinstimmen. Inkonsistenzen sind einer der häufigsten Gründe für eine Beanstandung bei der Kontrolle.
Dokumentationspflicht: Art. 9.1.2 Nr. 1 (Einstrich-Schema) und Art. 9.1.2 Nr. 2 (Lageplan/Situationsplan).
Schritt 5: Legende und Beschriftung
Ergänzen Sie Ihren Plan um:
- Legende mit allen verwendeten Symbolen und ihrer Bedeutung.
- Titelblock (Cartouche) mit: Name des Eigentümers, Adresse, Datum, Planersteller, Maßstab.
- Nordpfeil (optional, aber hilfreich).
- Stockwerk-Kennzeichnung bei mehrgeschossigen Gebäuden (ein Plan pro Etage).
Häufige Fehler
| Fehler | Konsequenz | Lösung |
|---|---|---|
| Fehlende Rauchmelder | Kontrolle nicht bestanden | Mind. 1 pro Etage in Fluchtwegen (regional unterschiedlich) |
| Außensteckdose nicht normgerecht | Beanstandung, falls vorhanden aber nicht konform | Wenn installiert: IP44, eigener 30-mA-FI-Schutz. Eine fehlende Außensteckdose ist kein Durchfallgrund |
| Fehlende Beschriftung / Stromkreisnummern | Beanstandung | Jede Komponente nummerieren |
| Falsche Symbole | Beanstandung | Nur AREI-Tabelle 2.23 verwenden |
| Schalter auf falscher Türseite | Unpraktisch (kein AREI-Verstoß) | Öffnungsrichtung prüfen |
| Badezimmer-Steckdose in Bereich 0 oder 1 | Kontrolle nicht bestanden | Steckdosen erst ab Bereich 2 (nur Badewanne) bzw. außerhalb der Bereiche (Dusche) erlaubt (Art. 7.1.5.2c/d) |
| Keine Legende | Beanstandung | Symboltabelle beifügen |
Checkliste vor der Abgabe
- Alle Räume beschriftet
- Alle Steckdosen, Schalter, Leuchten eingezeichnet
- Rauchmelder in Fluchtwegen (mind. 1 pro Etage, regional unterschiedlich)
- Außensteckdosen, falls vorhanden, normgerecht (IP44, eigener 30-mA-FI)
- Stromkreisnummern an jeder Komponente
- Nummern stimmen mit Eindrahtschema überein
- AREI-Symbole verwendet (Tabelle 2.23)
- Legende vorhanden
- Titelblock mit Name, Adresse, Datum
- Ein Plan pro Stockwerk
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