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Situationsplan zeichnen: Schritt-für-Schritt-Anleitung nach AREI

Komplette Anleitung zum Erstellen eines AREI-konformen Situationsplans. Von der Grundrissvorbereitung über AREI-Symbole bis zur fertigen Zeichnung.

Veröffentlicht am 30. März 2026 8 min Min. Lesezeit

Situationsplan zeichnen: Schritt-für-Schritt-Anleitung nach AREI

Der Situationsplan (auch Lageplan oder Plan de Situation) zeigt, wo genau sich jede elektrische Komponente in Ihrem Gebäude befindet. Zusammen mit dem Eindrahtschema ist er eines der beiden Pflichtdokumente für jede Elektroinstallation in Belgien — ohne ihn besteht die Abnahme durch den zugelassenen Kontrollorganismus nicht.

Kurz erklärt: Während das Eindrahtschema die logische Verschaltung darstellt (welcher Schalter steuert welche Leuchte, über welchen Stromkreis), zeigt der Situationsplan die physische Position jeder Komponente im Grundriss.

In dieser Anleitung lernen Sie, wie Sie einen normgerechten Situationsplan Schritt für Schritt erstellen.


Schritt 1: Grundriss vorbereiten

Maße und Maßstab

Der Grundriss bildet die Basis Ihres Situationsplans. Sie können ihn aus einem Bauplan übernehmen oder selbst zeichnen.

Wichtig:

  • Verwenden Sie einen einheitlichen Maßstab (üblich: 1:50 oder 1:100).
  • Zeichnen Sie alle Wände, Türen und Fenster ein.
  • Markieren Sie Öffnungsrichtungen von Türen (Viertelkreis) — das beeinflusst die Schalterposition.

Räume beschriften

Versehen Sie jeden Raum mit seiner Bezeichnung und idealerweise der Fläche:

KürzelRaumTypische Fläche
WZWohnzimmer25–40 m²
Küche10–20 m²
SZSchlafzimmer12–18 m²
BZBadezimmer5–10 m²
FLFlur5–15 m²
GAGarage15–30 m²
KEKellervariabel
AUAußenbereichvariabel

Schritt 2: AREI-Symbole verwenden

Das AREI schreibt in Tabelle 2.23 genau vor, welche Symbole verwendet werden müssen. Diese basieren auf der Norm IEC 60617. Hier die 10 wichtigsten Symbole für den Situationsplan:

Nr.SymbolBeschreibungVerwendung
1⏚ HalbkreisEinfache SteckdoseWandposition markieren
2⏚⏚ Doppel-HalbkreisDoppelsteckdoseWandposition markieren
3○ mit KreuzDeckenleuchteMitte des Raums/Position
4─○ mit StrichWandleuchteAn der Wand
5SchaltzeichenEinfacher SchalterNeben der Tür (Öffnungsseite)
6Schaltzeichen mit 2 PfeilenSerienschalterSteuert 2 Leuchten
7Schaltzeichen mit LinieWechselschalterZwei Stellen, ein Licht
8Rechteck mit BlitzVerteilerkastenMeist Flur/Technikraum
9⏚ mit PEErdungsanschlussErdungspunkt
10Kreis mit RRauchmelderFluchtwege (Flur, Treppenhaus), regional unterschiedlich

Tipp: Verwenden Sie ausschließlich die AREI-Symbole. Eigene Fantasie-Symbole werden bei der Kontrolle beanstandet.


Schritt 3: Komponenten einzeichnen

Jetzt platzieren Sie die Symbole im Grundriss. Folgende Regeln helfen bei der korrekten Positionierung:

Steckdosen

  • An der Wand einzeichnen, an der tatsächlichen Position.
  • Küche: Arbeitsfläche mind. 4 Steckdosen, davon 2 über der Arbeitsplatte. Dedizierte Steckdosen für Backofen, Geschirrspüler, Kühlschrank.
  • Wohnräume: Mind. 1 Steckdose pro angefangene 4 m² (Praxisempfehlung der Installateurverbände — das AREI schreibt keine Mindestanzahl von Steckdosen pro Fläche vor).
  • Badezimmer: Niederspannungs-Steckdosen erst ab Bereich 2 (nur bei Badewannen, mit 30mA-FI) bzw. außerhalb der Bereiche. Bei Duschen existiert Bereich 2 nicht (Art. 7.1.3.2 Nr. 3b, Art. 7.1.5.2d).
  • Außen: Falls Außensteckdose vorhanden, muss sie wettergeschützt (IP44) und mit eigenem 30-mA-FI-Schutz abgesichert sein.

Schalter

  • Neben der Tür auf der Öffnungsseite, ca. 105 cm Höhe (Praxisempfehlung -- das AREI schreibt keine spezifische Schalthöhe vor, fordert aber 'leicht zugänglich').
  • Wechselschalter bei Räumen mit mehreren Eingängen oder am Treppenanfang/-ende.
  • Verbinden Sie Schalter und zugehörige Leuchten mit einer gestrichelten Linie.

Leuchten

  • Deckenleuchten in die Raummitte oder an die geplante Position.
  • Wandleuchten an der Wandposition.
  • Jeder Raum braucht mindestens einen Lichtpunkt.

Rauchmelder

Seit dem belgischen Brandschutzgesetz Pflicht (regional unterschiedlich):

  • In Flandern: Pflicht in Fluchtwegen (Flure, Treppenhäuser); in Schlafzimmern empfohlen, aber nicht vorgeschrieben.
  • In Wallonien und Brüssel gelten eigene Regelungen.
  • Flure und Treppenhäuser — mindestens ein Rauchmelder pro Etage.
  • In der Küche optional (Hitzemelder bevorzugt wegen Fehlalarmen).

Sonderverbraucher

  • Wallbox (Elektroauto): Garage oder Außenwand, eigener Stromkreis.
  • Boiler/Durchlauferhitzer: Eigener Stromkreis, Position einzeichnen.
  • Wärmepumpe/Klimaanlage: Außeneinheit + Inneneinheit markieren.

Schritt 4: Stromkreisnummern zuordnen

Jede Komponente im Situationsplan erhält die gleiche Stromkreisnummer wie im Eindrahtschema. Das ist essentiell für die Zuordnung bei der Kontrolle.

So funktioniert es:

  1. Nummerieren Sie Ihre Stromkreise im Eindrahtschema durch (1, 2, 3, ...).
  2. Schreiben Sie die Nummer an jede Komponente im Situationsplan.
  3. Verwenden Sie einheitliche Notation: z. B. „K1" für Stromkreis 1 oder einfach „1".

Beispiel:

  • Stromkreis 1: Beleuchtung Erdgeschoss → Alle Leuchten im EG erhalten „1".
  • Stromkreis 2: Steckdosen Wohnzimmer → Alle WZ-Steckdosen erhalten „2".
  • Stromkreis 3: Steckdosen Küche → Alle KÜ-Steckdosen erhalten „3".
  • Stromkreis 4: Dediziert Backofen → Eine Steckdose mit „4".

Wichtig: Die Nummern müssen zwischen Eindrahtschema und Situationsplan exakt übereinstimmen. Inkonsistenzen sind einer der häufigsten Gründe für eine Beanstandung bei der Kontrolle.

Dokumentationspflicht: Art. 9.1.2 Nr. 1 (Einstrich-Schema) und Art. 9.1.2 Nr. 2 (Lageplan/Situationsplan).


Schritt 5: Legende und Beschriftung

Ergänzen Sie Ihren Plan um:

  • Legende mit allen verwendeten Symbolen und ihrer Bedeutung.
  • Titelblock (Cartouche) mit: Name des Eigentümers, Adresse, Datum, Planersteller, Maßstab.
  • Nordpfeil (optional, aber hilfreich).
  • Stockwerk-Kennzeichnung bei mehrgeschossigen Gebäuden (ein Plan pro Etage).

Häufige Fehler

FehlerKonsequenzLösung
Fehlende RauchmelderKontrolle nicht bestandenMind. 1 pro Etage in Fluchtwegen (regional unterschiedlich)
Außensteckdose nicht normgerechtBeanstandung, falls vorhanden aber nicht konformWenn installiert: IP44, eigener 30-mA-FI-Schutz. Eine fehlende Außensteckdose ist kein Durchfallgrund
Fehlende Beschriftung / StromkreisnummernBeanstandungJede Komponente nummerieren
Falsche SymboleBeanstandungNur AREI-Tabelle 2.23 verwenden
Schalter auf falscher TürseiteUnpraktisch (kein AREI-Verstoß)Öffnungsrichtung prüfen
Badezimmer-Steckdose in Bereich 0 oder 1Kontrolle nicht bestandenSteckdosen erst ab Bereich 2 (nur Badewanne) bzw. außerhalb der Bereiche (Dusche) erlaubt (Art. 7.1.5.2c/d)
Keine LegendeBeanstandungSymboltabelle beifügen

Checkliste vor der Abgabe

  • Alle Räume beschriftet
  • Alle Steckdosen, Schalter, Leuchten eingezeichnet
  • Rauchmelder in Fluchtwegen (mind. 1 pro Etage, regional unterschiedlich)
  • Außensteckdosen, falls vorhanden, normgerecht (IP44, eigener 30-mA-FI)
  • Stromkreisnummern an jeder Komponente
  • Nummern stimmen mit Eindrahtschema überein
  • AREI-Symbole verwendet (Tabelle 2.23)
  • Legende vorhanden
  • Titelblock mit Name, Adresse, Datum
  • Ein Plan pro Stockwerk

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