Renovierung und AREI: Wann brauchen Sie neue Elektropläne?
Nicht jede Renovierung erfordert neue Elektropläne. Erfahren Sie, welche Arbeiten eine Neuabnahme auslösen und was die Kontaminationsregel bedeutet.
Wann löst eine Renovierung eine Pflicht-Neuabnahme aus?
Nicht jede Renovierung erfordert neue Elektropläne und eine erneute Abnahme. Das AREI unterscheidet klar zwischen Arbeiten, die eine Neuabnahme (keuring) auslösen, und solchen, die das nicht tun. In diesem Leitfaden erfahren Sie, welche Regel für Ihre Renovierung gilt.
Der Entscheidungsbaum: Neuabnahme ja oder nein?
Neuabnahme ERFORDERLICH
Folgende Arbeiten lösen eine Pflicht zur erneuten Abnahme aus (Art. 6.4.7.3):
| Arbeit | Grund |
|---|---|
| Neue Stromkreise hinzufügen | Erweiterung der Installation |
| Schaltschrank (Verteiler) austauschen | Veränderung der Schutzeinrichtungen |
| Neue Unterverteilung installieren | Erweiterung der Installation |
| Kabel neu verlegen | Wesentliche Änderung |
| Erdungsanlage verändern | Sicherheitskritisch |
| Installation auf Dreiphasig umstellen | Grundlegende Änderung |
| Wallbox / Wärmepumpe anschließen | Neuer dedizierter Stromkreis |
Neuabnahme NICHT ERFORDERLICH
Diese Arbeiten gelten als Wartung und lösen keine Neuabnahme aus:
| Arbeit | Warum keine Neuabnahme |
|---|---|
| Steckdose/Schalter 1:1 austauschen | Gleiche Position, gleiche Leistung |
| Lampe durch LED ersetzen | Kein Eingriff in die Installation |
| Tapezieren, streichen, Böden verlegen | Kosmetisch, kein Elektroanschluss |
| Sicherungsautomat 1:1 tauschen | Gleicher Typ und Nennstrom |
| Steckdosenabdeckung wechseln | Kein Eingriff in die Verdrahtung |
Grauzone: Eine Steckdose an eine andere Position versetzen zählt bereits als Änderung. Jede wesentliche Änderung oder Erweiterung löst eine Neuabnahme aus (Art. 6.4.7.3) — auch wenn der Stromkreis gleich bleibt.
Die Kontaminationsregel
Die Kontaminationsregel ist das wichtigste Konzept bei Renovierungen:
Wenn Sie einen Teil der Installation verändern, kann der Inspekteur die gesamte Installation beanstanden.
Was das in der Praxis bedeutet
Angenommen, Sie renovieren Ihr Badezimmer und installieren dort neue Steckdosen und Beleuchtung:
- Das Badezimmer wird nach dem aktuellen AREI bewertet — alle aktuellen Vorschriften gelten
- Der Inspekteur kann auch die restliche Installation prüfen
- Bestehende Mängel (z.B. fehlende FI-Schalter im Keller) können ebenfalls beanstandet werden
Wie Sie die Kontamination begrenzen
- Dokumentieren Sie genau, welche Teile verändert wurden und welche nicht
- Markieren Sie im Eindrahtschema die neuen/geänderten Stromkreise
- Die unveränderten Teile fallen unter Part 8 (gelockerte Anforderungen)
Part 8 vs. Volles AREI: Was gilt wann?
Das AREI unterscheidet zwischen Alt und Neu:
| Installationsteil | Geltende Vorschrift | Anforderungen |
|---|---|---|
| Unverändert, vor 1981 | Part 8 Art. 8.2 (Altinstallation) | Gelockert — z.B. kein FI pro Kreis nötig, alte Kabeltypen toleriert |
| Unverändert, 1981–2020 | Part 8 Abschnitt 8.2.2 (Abweichungen für hauswirtschaftliche Anlagen nach früherer A.O.E.A.) | Muss der damaligen Vorschrift entsprechen, mit begrenzten Erleichterungen nach Art. 8.2.2 |
| Verändert / Neu | Aktuelles AREI | Alle aktuellen Vorschriften (300 mA Haupt-RCD + 30 mA FI hoher Empfindlichkeit für Steckdosen-, Beleuchtungs- und Badezimmer-Stromkreise, SPD für den neuen/veränderten Teil, Kabelstandards) |
Typisches Szenario: Haus aus den 1960ern
Sie renovieren die Küche und das Badezimmer eines Hauses aus 1965:
- Küche + Bad (neue Stromkreise): Volles aktuelles AREI — SPD nach den Regeln des Fachs erwartet (Art. 4.5.1, allgemeiner Grundsatz; gilt nur für den neuen/veränderten Teil der Installation), 300 mA Haupt-RCD für die gesamte Installation (Art. 4.2.4.3) + 30 mA FI hoher Empfindlichkeit für Steckdosen-, Beleuchtungs- und Badezimmer-Stromkreise (Art. 4.2.4.3 Buchstabe b), aktuelle Kabeltypen
- Schlafzimmer, Wohnzimmer (unverändert): Part 8 — alte VOB-Leitungen toleriert, kein FI pro Kreis nötig
- Aber: Falls der Inspekteur feststellt, dass die alte Installation ein direktes Sicherheitsrisiko darstellt (z.B. blanke Drähte, fehlende Erdung), kann er trotzdem eine Nachbesserung fordern
Dokumentation bei Renovierung
Häuser mit vorhandenen Plänen
Wenn ein aktuelles Eindrahtschema und Situationsplan existieren:
- Pläne aktualisieren — neue Stromkreise, veränderte Positionen eintragen
- Kenntlich machen, was alt und was neu ist
- Aktualisierte Pläne dem Kontrolleur vorlegen
Häuser ohne Pläne (vor 1981)
Viele ältere Häuser haben keine vorhandene Dokumentation. In diesem Fall (Art. 9.1.2):
- Gesamte Installation aufnehmen — auch die unveränderten Teile
- Eindrahtschema komplett neu erstellen — für die gesamte Installation
- Situationsplan erstellen — alle Steckdosen, Schalter, Leuchten einzeichnen
Achtung: Dies ist einer der häufigsten Gründe, warum Renovierungen deutlich teurer werden als geplant — die Dokumentationspflicht für die Gesamtinstallation.
Budgetplanung: Typische Kosten
| Posten | Kosten |
|---|---|
| Eindrahtschema + Situationsplan (Elektriker) | €300 – €600 |
| Eindrahtschema + Situationsplan (PlanElec) | Early Access derzeit kostenlos |
| AREI-Abnahme (Keuring) | €125 – €170 |
| Nachkontrolle (bei Mängeln) | €80 – €120 |
| Mängelbeseitigung | €500 – €5.000+ |
Der PlanElec-Vorteil bei Renovierungen
Mit PlanElec können Sie:
- Die bestehende Installation aufnehmen und dokumentieren
- Neue Stromkreise hinzufügen und automatisch validieren lassen
- Alt vs. Neu klar trennen
- Das Ergebnis als PDF für den Kontrolleur exportieren
- Early Access derzeit kostenlos; noch keine Zahlungsabwicklung aktiv
Checkliste für Renovierer
Vor Beginn der Renovierung:
- Prüfen: Lösen meine Arbeiten eine Neuabnahme aus?
- Bestehende Elektropläne suchen (falls vorhanden)
- Budget für Dokumentation + Keuring einplanen
- Elektriker frühzeitig einbinden (für die Installation)
- PlanElec für die Dokumentation nutzen (Pläne selbst erstellen)
Nach der Renovierung:
- Aktualisierte Pläne erstellt?
- Alle neuen Stromkreise im Eindrahtschema?
- Kontrollorganismus kontaktiert?
- Keuring bestanden?