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Renovierung und AREI: Wann brauchst du neue Elektropläne?

Welche Renovierung neue Pläne und eine Konformitätsprüfung auslöst: wesentliche und unwesentliche Änderungen, geänderte und unveränderte Teile, Altanlagen nach Teil 8 und die Dossierpflicht.

Veröffentlicht am 20. Juli 2026 Aktualisiert am 5. Oktober 2026 12 min

Wann führt eine Renovierung zu neuen Plänen und einer Prüfung?

Entscheidend ist der elektrische Umfang, nicht das Wort „Renovierung“. Eine wesentliche Änderung oder Erweiterung braucht ein aktualisiertes Eindrahtschema und einen aktualisierten Positionsplan und wird vor ihrer Ingebrauchnahme einer Konformitätsprüfung unterzogen. Diese Prüfung beschränkt sich auf die hinzugefügten oder geänderten Teile; ein unveränderter Teil wird nur hinsichtlich der Eigenschaften mitgeprüft, die die Änderung beeinflusst (AREI/RGIE Buch 1 V06, Unterabschnitt 6.4.7.3). Eine unwesentliche Änderung braucht kein neues Eindrahtschema: Eine datierte und unterschriebene Kurzbeschreibung genügt, der Positionsplan zeigt die Änderung trotzdem (Unterabschnitt 3.1.2.1 Buchstabe a).

Eine Liste, die jede versetzte Steckdose automatisch als „wesentlich“ oder „unwesentlich“ einstuft, enthält das AREI nicht. Leg die Einordnung deshalb vor Baubeginn mit deinem Elektriker fest und kläre sie im Zweifel mit der zugelassenen Stelle.

Welche Arbeit löst was aus?

SituationUnterlagenPrüfungFundstelle
Wesentliche Änderung oder ErweiterungEindrahtschema und Positionsplan erstellen bzw. aktualisierenKonformitätsprüfung der geänderten und hinzugefügten Teile vor Ingebrauchnahme3.1.2.1 a, 6.4.7.3
Änderung wirkt auf einen unveränderten TeilAuswirkung dokumentierenunveränderter Teil wird für die geänderten Eigenschaften mitgeprüft und im Bericht erwähnt6.4.7.3
Unwesentliche Änderungdatierte, unterschriebene Kurzbeschreibung; Positionsplan zeigt den Ist-Standkeine Konformitätsprüfung vor Ingebrauchnahme vorgeschrieben3.1.2.1 a
Wesentliche Änderung einer Altanlage (Beginn vor 01.10.1981)wie oben; ältere Teile im Schema als „älterer Teil“ gekennzeichnetganze Anlage hinter mindestens einem Differenzialschalter ≤ 300 mA am Speisepunkt3.1.2.1 a, 4.2.4.3 b
Vollständige Erneuerung der Anlagevollständiger Plansatz wie bei einer neuen AnlageKonformitätsprüfung vor IngebrauchnahmeKapitel 6.4
Gleichwertiger Ersatz eines BetriebsmittelsTyp und Eigenschaften des Ersatzes festhaltenEinordnung durch den Elektriker, sobald Lage, Leitung, Schutz oder Funktion sich ändernkeine eigene Regel; Einzelfall

Praktischer Entscheidungsweg

  1. Ist die Arbeit rein nicht-elektrisch? Malerarbeiten oder ein Bodenbelag ändern die elektrische Anlage nicht.
  2. Wird nur ein Betriebsmittel gleichwertig ersetzt? Dokumentiere den Ersatz und prüfe, ob Eigenschaften und Schutzkonzept gleich bleiben.
  3. Entstehen neue Leitungen, Stromkreise, Quellen oder ein neuer Verteiler? Behandle das Projekt als mögliche wesentliche Änderung oder Erweiterung, bis der Elektriker es eingeordnet hat.
  4. Ändern sich Spannung, Anschlussart, Erdung oder Schutzkette? Dann reicht die Wirkung über das neue Bauteil hinaus.
  5. Welche Bestandsabschnitte sind betroffen? Grenze sie anhand von Stromkreisen, Verteiler und realer Leitungsführung ab.

Eine neue Unterverteilung, ein zusätzlicher Stromkreis für Wallbox oder Wärmepumpe, ein Verteilerersatz oder eine Anschlussumstellung gehören deshalb früh auf den Tisch des Elektrikers. Ein Abdeckrahmen, eine Leuchte oder ein Schalter, der ohne Änderung der elektrischen Eigenschaften gleichwertig ersetzt wird, liegt näher an Instandhaltung.

Gibt es eine „Kontaminationsregel“?

Nein. Der verbreitete Begriff behauptet, jede kleine Änderung mache das ganze Haus nach aktuellem Recht prüfpflichtig. So steht es nicht in Buch 1. Die Prüfung einer wesentlichen Änderung umfasst die geänderten und hinzugefügten Teile; ein unveränderter Teil wird nur in Bezug auf die Eigenschaften geprüft, die sich durch die Änderung verschieben (Unterabschnitt 6.4.7.3).

Eine Regel mit Wirkung auf die ganze Anlage gibt es trotzdem, und sie betrifft Altanlagen: Wird eine alte hauswirtschaftliche Anlage im Sinne von Teil 8 wesentlich geändert oder erweitert, schützt mindestens ein Differenzialschalter mit höchstens 300 mA am Speisepunkt die gesamte Anlage (Unterabschnitt 4.2.4.3 Buchstabe b). Plane diesen Differenzialschalter bei jeder größeren Renovierung eines Hauses mit Altinstallation ein.

Grenze sauber ab: Halte fest, welche Stromkreise, Leitungsabschnitte, Schutzgeräte und Räume die Arbeit berührt. Markiere Altbestand, neuen Teil und gemeinsame Schutz- oder Einspeisepunkte. Diese Dokumentation macht den Prüfbereich nachvollziehbar; was die zugelassene Stelle prüft, legt sie selbst fest.

Was Teil 8 wirklich leistet

Teil 8 enthält konkrete Abweichungsbestimmungen für bestehende Teile, abhängig vom Errichtungszeitraum. Für alte hauswirtschaftliche Anlagen, deren Errichtung vor dem 1. Oktober 1981 begonnen hat, gilt Abschnitt 8.2.1; für Anlagen, die nach der früheren A.O.E.A. geprüft wurden, Abschnitt 8.2.2. Jede Abweichung hat einen genauen Anwendungsbereich und oft Bedingungen. Neue oder wesentlich geänderte Teile planst du nach den aktuellen Anforderungen.

Für die Unterlagen wichtig: Für bestehende Teile alter Anlagen erlaubt Abschnitt 8.2.1 Nr. 7 ein vereinfachtes Eindrahtschema mit Adresse, Nennspannung, Querschnitt des Versorgungskabels, Art und Querschnitt der Abgänge sowie Differenzial- und Schutzgeräten mit ihren Eigenschaften, und einen vereinfachten Positionsplan mit Steckdosen, Schaltern, Lichtpunkten und ortsfesten Geräten.

Erfasse für jeden Bestandsabschnitt Bauzeit, vorhandene Prüfberichte, Leitungs- und Schutzdaten sowie spätere Änderungen. Ein Haus aus den 1960er-Jahren enthält oft Bauteile aus mehreren Jahrzehnten. Das Baujahr des Gebäudes beweist daher nicht, welche Abweichung für einen bestimmten Stromkreis gilt.

Haus mit vorhandenen Plänen

Existieren ein aktuelles Eindrahtschema und ein Positionsplan:

  1. Pläne fortschreiben: neue Stromkreise und veränderte Positionen eintragen.
  2. Alt und Neu unterscheiden: geänderte und unveränderte Teile erkennbar machen.
  3. Fassung erhöhen: Nummer, Fassung und Fassungsdatum anpassen und die aktualisierten Pläne der zugelassenen Stelle vorlegen.

Haus ohne Pläne

Viele ältere Häuser haben keine Unterlagen. Dann gilt:

  1. Neue und wesentlich geänderte Teile erhalten ein vollständiges Eindrahtschema und einen Positionsplan (Unterabschnitt 3.1.2.1 Buchstabe a).
  2. Bestehende Teile vor 1981, die im Schema dargestellt werden, kennzeichnest du als „älterer Teil“; für sie genügt der vereinfachte Plansatz nach Abschnitt 8.2.1 Nr. 7.
  3. Die Akte nach Abschnitt 9.1.2 umfasst die Schemata und Pläne der Anlage. Fehlen sie beim Kontrollbesuch anlässlich eines Verkaufs, vermerkt die zugelassene Stelle das als Verstoß; ihre Kurzbeschreibung und Handskizze ersetzen kein Eindrahtschema (Unterabschnitt 8.4.2.2 Buchstabe d).

Wer ohnehin renoviert, nimmt den Bestand deshalb am besten gleich mit auf. Der Aufwand dafür gehört als eigene Position ins Angebot.

Dokumentation bei Renovierung

Bestandsaufnahme ohne gefährliche Annahmen

Beginne mit vorhandenen Prüfberichten, Plänen, Rechnungen und Beschriftungen und vergleiche sie mit dem realen Verteiler. Für die Aufnahme schaltet eine Fachkraft Stromkreise kontrolliert ab und verfolgt, welche Punkte tatsächlich ausfallen; Arbeiten an spannungsführenden Teilen und im Verteiler gehören in qualifizierte Hände. Vermutete Leitungswege markierst du als Vermutung, nicht als Tatsache.

Lege eine Liste je Stromkreis an: Kennung, versorgte Räume, sichtbarer Leitungstyp und Querschnitt, Schutzorgan, Differenzialschalter, bekannte Dosen und fest angeschlossene Geräte. Halte unbekannte Werte getrennt von bestätigten. Fotos dokumentieren Beschriftung und Zustand; Messung und Schema ersetzen sie nicht.

Renovierung in Arbeitspakete schneiden

Trenne Sicherheitsmängel, notwendige Anpassungen für den neuen Bauumfang und gewünschte Komforterweiterungen. So siehst du, was vor der Inbetriebnahme geklärt sein muss und was später folgen kann. Prüfe gemeinsame Punkte zuerst: Hauptverteiler, Erdung, Zuleitung und gemeinsam genutzte Differenzialschalter verbinden mehrere Räume. Eine neue Küchenleitung ist räumlich lokal, berührt elektrisch aber den Verteiler und seine Schutzkette.

Dokumentiere für jedes Paket Ausgangszustand, geplante Änderung, betroffene Bestandsmerkmale und Endzustand. Kläre die Einordnung als wesentlich oder unwesentlich, bevor verputzt wird. Prüfumfang, Messungen und zugängliche Prüfstellen bestimmen Bauablauf und Termin.

Ist-Stand nach Ausführung herstellen

Übernimm keine geplante Position ungeprüft in die Endfassung. Vergleiche Steckdosen, Schalter, Lichtpunkte, Dosen und feste Geräte Raum für Raum und gleiche danach jeden Stromkreis mit Schutzorgan, Kabeldaten und Verteilerbelegung ab. Ältere Teile, deren Errichtung vor dem 1. Oktober 1981 begonnen hat, tragen im Eindrahtschema den Vermerk „älterer Teil“, wenn sie dargestellt sind.

Schemata und Pläne tragen Nummer, Fassung und Fassungsdatum. Ein kurzer Änderungsvermerk nennt die bearbeiteten Räume oder Stromkreise. Bewahre frühere freigegebene Fassungen auf; sie zeigen, wann welcher Bestandsabschnitt entstanden ist. Die aktuellen Pläne liegen vor Ort für Überwachung, Prüfung, Instandhaltung, Reparatur und Umbau bereit (Unterabschnitt 3.1.2.1 Buchstabe d).

Kontrolle und Mängelbearbeitung

Übergib der zugelassenen Stelle die geforderten Pläne und Unterlagen lesbar. Ein Befund verschwindet nicht durch eine schönere Zeichnung: Messwert, falsche Ausführung oder ungeeignetes Betriebsmittel werden technisch behoben. Danach bringst du Anlage und Dokumente wieder auf denselben Stand. Prüfbericht, unterschriebene Pläne, Messunterlagen und Herstellerdokumente kommen in die Anlagenakte.

Drei typische Abgrenzungsbeispiele

Badezimmer wird vollständig erneuert

Neue Leitungen, Steckdosen, Beleuchtung und Schutzmaßnahmen nimmst du als neuen Arbeitsumfang auf. Dokumentiere zugleich, welche Einspeisung und welcher Verteilerzweig das Bad versorgen. Der Elektriker prüft Badbereiche, Schutz, Leitungen und Potentialausgleich anhand der realen Ausführung. Andere Räume werden nicht pauschal mitgeprüft; gemeinsame oder beeinflusste Eigenschaften gehören aber dazu.

Ein vorhandener Stromkreis wird repariert

Ersetze ein defektes Betriebsmittel gleichwertig, halte Typ und Eigenschaften fest und lass die sichere Wiederherstellung prüfen. Sobald sich Lage, Leitung, Schutz oder Funktion ändern, ordnet der Elektriker den Umfang neu ein. Das Wort „Reparatur“ verdeckt keine echte Erweiterung.

Verteiler wird ersetzt

Ein neuer Verteiler berührt viele gemeinsame Schutz- und Zuordnungsdaten. Vor dem Ausbau werden alle Abgänge eindeutig aufgenommen. Nach dem Umbau stimmen Beschriftung, Differenzialschalter-Gruppen, Phasen, Leitungen und Schemata mit der ausgeführten Belegung überein. Unbekannte Altstromkreise werden vor dem Anschluss geklärt, nicht unter generischen Namen weitergeführt.

Fragen für das Vorgespräch

  • Welche Teile werden neu, versetzt, ersetzt oder unverändert belassen?
  • Welche Bestandsdaten sind belegt, welche müssen gemessen oder geöffnet werden?
  • Welche gemeinsamen Schutz- oder Einspeisepunkte sind betroffen?
  • Ist die Arbeit eine wesentliche Änderung oder Erweiterung, und wer bestätigt das?
  • Ist die Anlage eine Altanlage, die nach der Änderung einen Differenzialschalter am Speisepunkt braucht?
  • Welche Pläne, Beschreibungen, Messungen und Herstellerunterlagen werden benötigt?
  • Wann finden Prüfung und Dokumentfreigabe im Bauablauf statt?

In bewohnten Gebäuden planst du außerdem sichere Zwischenzustände. Nicht fertige Stromkreise bleiben eindeutig außer Betrieb und beschriftet. Provisorische Versorgungen werden fachgerecht ausgeführt und separat dokumentiert. Nach jeder Bauphase hältst du fest, welche Teile schon dem Ist-Plan entsprechen und welche noch Arbeitsstand sind.

Aufwand und Kosten planen

Die Kosten hängen von Aufnahmeaufwand, fehlender Dokumentation, Anzahl der Stromkreise, Messungen, Umbauumfang und Kontrollstelle ab. Pauschale Online-Spannen ersetzen kein Angebot. Fordere getrennte Positionen für Bestandsaufnahme, Planung, Ausführung, Erstkontrolle und mögliche Nacharbeit an; wie du solche Angebote vergleichst, zeigt Was kostet ein Elektroplan?.

PlanElec kostet im Early Access 0 EUR. Für die Zeit nach dem Tarifstart, den wir rechtzeitig vorher ankündigen, sind die Tarife veröffentlicht: Free bleibt kostenlos, die Einzelnutzung kostet 15 EUR je Objekt einmalig und Pro 29 EUR im Monat, jeweils zuzüglich MwSt.

Was PlanElec bei Renovierungen beiträgt

PlanElec verbindet Grundriss, Topologie, Verteiler, Eindrahtschema und Positionsplan in einem Projekt. Damit kannst du:

  • die bestehende Installation aufnehmen und dokumentieren;
  • neue Stromkreise ergänzen und mit dem orientierenden AREI/RGIE-Selbstcheck gegen die unterstützten Regeln prüfen;
  • Alt und Neu im selben Modell nachvollziehbar führen;
  • Eindrahtschema und Positionsplan mit einheitlichen Kennungen als PDF ausgeben.

Materialliste und Arbeitsdossier stehen als Pilotfunktionen mit ausgewiesenen Abdeckungsgrenzen bereit. Die Aufgaben sind klar verteilt: PlanElec liefert die strukturierte Dokumentation, der Elektriker plant und führt aus, und die offizielle Beurteilung trifft die zugelassene Stelle.

Checkliste für Renovierer

Vor Beginn:

  • Ist die Arbeit eine wesentliche Änderung oder Erweiterung?
  • Vorhandene Elektropläne und Prüfberichte gesucht?
  • Altanlage? Dann den Differenzialschalter am Speisepunkt einplanen.
  • Budget für Bestandsaufnahme, Dokumentation und Keuring eingeplant?
  • Elektriker früh eingebunden?

Nach der Renovierung:

  • Eindrahtschema und Positionsplan auf dem Ist-Stand?
  • Alle neuen Stromkreise im Eindrahtschema?
  • Zugelassene Stelle beauftragt?
  • Bericht und festgestellte Mängel mit dem Elektriker bearbeitet?

Amtliche Quelle

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