Wallbox installieren nach AREI: Der komplette Leitfaden für Belgien
Alles über die AREI-Anforderungen für Wallbox-Installationen in Belgien: Kabelquerschnitt, FI-Schutz, Überspannungsschutz, Anmeldung beim Netzbetreiber und Eindrahtschema. Mit Kostenübersicht.
Wallbox installieren nach AREI: Der komplette Leitfaden für Belgien
Die Installation einer Wallbox (Ladestation für Elektroautos) in Belgien unterliegt strengen AREI-Vorschriften. Artikel 7.22 des AREI regelt die spezifischen Anforderungen für Ladeinfrastruktur. In diesem Leitfaden erklären wir alle Vorschriften, Kabelanforderungen und Schutzmaßnahmen — damit Ihre Installation normkonform ist und die Keuring besteht.
AREI-Anforderungen für Wallbox (Art. 7.22)
Das AREI stellt folgende Grundanforderungen an Wallbox-Installationen:
Eigener Stromkreis
Die Wallbox muss über einen eigenen, dedizierten Stromkreis verfügen. Sie darf nicht an einen bestehenden Stromkreis (z.B. Steckdosen in der Garage) angeschlossen werden. Dieser dedizierte Kreis muss vom Verteilerkasten direkt zur Wallbox führen.
FI-Schutzschalter (Differentialschutz)
Jede Wallbox benötigt einen eigenen FI-Schutzschalter (RCD). Die Art des FI hängt von der Wallbox ab (mehr dazu weiter unten).
Leitungsschutzschalter (Automaat)
Ein entsprechend dimensionierter Leitungsschutzschalter (MCB) schützt den Wallbox-Stromkreis vor Überlast und Kurzschluss.
Überspannungsschutz (SPD)
Art. 4.5.1 verlangt allgemein den Schutz vor Überspannungen nach den Regeln des Fachs. In der Praxis wird ein zentraler SPD im Verteilerkasten installiert, der alle Kreise einschließlich des Wallbox-Kreises vor Überspannungen durch Blitzeinschlag oder Schaltvorgänge im Netz schützt.
Einphasig vs. Dreiphasig: Welche Wallbox?
Einphasig — 3,7 kW oder 7,4 kW
| Eigenschaft | 3,7 kW (16A) | 7,4 kW (32A) |
|---|---|---|
| Anschluss | 1-phasig, 230V | 1-phasig, 230V |
| Stromstärke | 16A | 32A |
| Kabelquerschnitt | 2,5 mm² | 6 mm² |
| Leitungsschutzschalter | 20A Typ C | 32A Typ C |
| Ladezeit (50 kWh Akku) | ~14 Stunden | ~7 Stunden |
Vorteile einphasig:
- Günstiger in der Installation
- Einfachere Verkabelung
- Ausreichend für die meisten Haushalte (Nachtladung)
Nachteile einphasig:
- Begrenzte Ladeleistung
- Bei 7,4 kW: Schieflast möglich (Achtung bei der Anmeldung)
Dreiphasig — 11 kW oder 22 kW
| Eigenschaft | 11 kW (16A) | 22 kW (32A) |
|---|---|---|
| Anschluss | 3-phasig, 400V | 3-phasig, 400V |
| Stromstärke | 3x 16A | 3x 32A |
| Kabelquerschnitt | 2,5 mm² (5G2,5) | 6 mm² (5G6) |
| Leitungsschutzschalter | 20A 3-polig Typ C | 32A 3-polig Typ C |
| Ladezeit (50 kWh Akku) | ~5 Stunden | ~2,5 Stunden |
Vorteile dreiphasig:
- Deutlich schnelleres Laden
- Gleichmäßige Lastverteilung (keine Schieflast)
- Zukunftssicher
Nachteile dreiphasig:
- Teurere Installation
- Dreiphasiger Anschluss am Verteilerkasten nötig
- Höhere Materialkosten (dickere Kabel, teurere Schutzgeräte)
Unsere Empfehlung
Für die meisten Einfamilienhäuser empfehlen wir eine 11 kW dreiphasige Wallbox. Sie bietet den besten Kompromiss zwischen Ladeleistung, Kosten und Zukunftssicherheit. Ein Elektroauto ist über Nacht in 4-5 Stunden vollgeladen — das reicht für den Alltag.
Kabel und Sicherung: Die richtige Dimensionierung
Übersicht Kabelquerschnitte
| Leistung | Kabeltyp | Querschnitt | Leitungsschutzschalter |
|---|---|---|---|
| 3,7 kW (1P, 16A) | XVB 3G2,5 | 2,5 mm² | 20A Typ C |
| 7,4 kW (1P, 32A) | XVB 3G6 | 6 mm² | 32A Typ C |
| 11 kW (3P, 16A) | XVB 5G2,5 | 2,5 mm² | 20A 3P Typ C |
| 22 kW (3P, 32A) | XVB 5G6 | 6 mm² | 32A 3P Typ C |
Wichtig: Bei langen Kabellängen (>15m) muss der Querschnitt möglicherweise erhöht werden, um den Spannungsabfall zu begrenzen (AREI Art. 5.2.5 — Spannungsänderung; Art. 5.2.1.2b — Wahl der Leitungen). Planen Sie die Kabelstrecke vorab und konsultieren Sie bei Unsicherheit die Spannungsabfalltabellen.
Kabeltyp
In Belgien wird für fest verlegte Installationen üblicherweise XVB-Kabel verwendet:
- XVB 3G2,5 für einphasig 16A
- XVB 3G6 für einphasig 32A
- XVB 5G2,5 für dreiphasig 16A
- XVB 5G6 für dreiphasig 32A
Bei Verlegung in einem Preflex-Rohr kommen VOB-Einzeladern in Frage (H07V-U), wobei das Rohr ausreichend dimensioniert sein muss.
FI-Typ: Das wichtigste Schutzgerät
Die Wahl des richtigen FI-Schutzschalters ist bei Wallboxen besonders wichtig — und kann erhebliche Kostenunterschiede verursachen.
Typ A + integrierter DC-6mA-Sensor (RDC-DD in der Wallbox)
Art. 7.22.4 schreibt Typ B oder gleichwertig vor. Typ A allein reicht NICHT — die Wallbox muss zusätzlich einen integrierten DC-6mA-Sensor haben (Typ A + RDC-DD in der Wallbox). Die meisten modernen Wallboxen (z.B. Wallbox Pulsar Plus, ABB Terra, Easee) haben einen solchen integrierten DC-Fehlerstromsensor (6 mA DC). In diesem Fall genügt ein FI Typ A (30 mA), da die Wallbox selbst den DC-Schutz übernimmt.
Kosten FI Typ A: ~€30-50 (2-polig, einphasig) bzw. ~€50-80 (4-polig, dreiphasig)
Typ B (wenn kein DC-Sensor in der Wallbox)
Wenn Ihre Wallbox keinen eingebauten DC-Fehlerstromsensor hat, benötigen Sie einen FI Typ B. Dieser erkennt auch Gleichfehlerströme (DC), die bei AC/DC-Ladegeräten auftreten können.
Kosten FI Typ B: ~€200-400
Tipp: Achten Sie beim Kauf der Wallbox darauf, dass ein DC-Fehlerstromsensor (RDC-DD) integriert ist. Das spart Ihnen €120-370 beim FI-Schutzschalter (Typ B ~€200-400 statt Typ A ~€30-80, je nach Polzahl)!
Typ A-SI (Alternative)
Einige Hersteller bieten auch FI Typ A-SI (selektiv, impulsstromfest) an, der bei Wallboxen eine gute Wahl sein kann, um Fehlauslösungen durch Einschaltströme zu vermeiden.
Überspannungsschutz (SPD) — zentral für die gesamte Installation
Art. 4.5.1 verlangt allgemein den Schutz vor Überspannungen nach den Regeln des Fachs. In der Praxis wird ein SPD (Überspannungsschutz) im Verteilerkasten installiert, der alle angeschlossenen Geräte einschließlich der Wallbox vor transienten Überspannungen schützt. Das AREI nennt keinen konkreten „Typ 2" — die Typ-Bezeichnung stammt aus der Produktnorm (IEC 61643-11).
Kosten SPD: ~€50-80
Wichtig: Der SPD muss mit einer Vorsicherung (gR-Sicherung oder MCB) abgesichert werden. Beachten Sie die Herstellerangaben.
Anmeldung beim Netzbetreiber
In Belgien müssen Wallbox-Installationen ab einer bestimmten Leistung beim zuständigen Netzbetreiber angemeldet werden:
Meldepflicht (variiert je nach Netzbetreiber)
Die Schwellenwerte variieren je nach Netzbetreiber. Fluvius verlangt eine Meldung ab 5 kVA (nicht kW — der Unterschied ist bei cos phi ungleich 1 relevant). Werte bei ORES/RESA und Sibelga können abweichen.
| Netzbetreiber | Region | Meldepflicht |
|---|---|---|
| Fluvius | Flandern | Ab 5 kVA |
| ORES | Wallonien | Netzbetreiberabhängig |
| Sibelga | Brüssel | Netzbetreiberabhängig |
Das bedeutet in der Praxis:
- 3,7 kW einphasig: In der Regel keine Anmeldung nötig
- 7,4 kW einphasig: Anmeldung erforderlich
- 11 kW dreiphasig: Anmeldung erforderlich
- 22 kW dreiphasig: Anmeldung erforderlich + möglicherweise Netzkapazitätsprüfung
Wie anmelden?
Die Anmeldung erfolgt online über das Portal des jeweiligen Netzbetreibers:
- Fluvius: über Mijn Fluvius
- ORES: über das ORES-Kundenportal
- Sibelga: über das Sibelga-Portal
Halten Sie folgende Informationen bereit: EAN-Nummer Ihres Zählers, Leistung der Wallbox, gewünschter Installationszeitpunkt.
Eindrahtschema aktualisieren
Nach der Installation einer Wallbox muss das Eindrahtschema Ihrer Elektroinstallation aktualisiert werden. Die Wallbox wird als eigener Abzweig im Schema dargestellt:
Was muss im Schema stehen?
- Eigener Stromkreis ab dem Verteilerkasten
- FI-Schutzschalter mit Typ-Angabe (A oder B)
- Leitungsschutzschalter mit Nennstrom
- SPD (Überspannungsschutz)
- Wallbox-Symbol mit Leistungsangabe
- Kabelbezeichnung (z.B. XVB 5G2,5)
- Phasenzuordnung (bei dreiphasig: L1/L2/L3)
PlanElec macht es einfach
PlanElec hat das Wallbox-Symbol und die zugehörige Validierung bereits integriert:
- Das Wallbox-Symbol entspricht der AREI-Norm
- Die Validierung prüft automatisch: eigener Stromkreis, FI-Schutz, Überspannungsschutz
- Die Phasenzuordnung kann direkt eingetragen werden
- Der PDF-Export enthält alle erforderlichen Angaben
Beispiel-Installation mit Kostenübersicht
Szenario: 11 kW Wallbox (dreiphasig), 10m Kabellänge
| Material | Kosten |
|---|---|
| Wallbox (z.B. Pulsar Plus, mit DC-Sensor) | €600-900 |
| XVB 5G2,5 Kabel (10m) | €30-40 |
| FI Typ A 30mA 4-polig (da DC-Sensor in Wallbox) | €50-80 |
| Leitungsschutzschalter 20A 3-polig Typ C | €25-40 |
| SPD Typ 2 3-polig | €50-80 |
| Vorsicherung SPD | €10-15 |
| Kleinmaterial (Klemmen, Befestigung, Kabeldurchführung) | €20-30 |
| Material gesamt | €785-1.185 |
| Arbeit | Kosten |
|---|---|
| Installation durch Elektriker (4-6 Std.) | €200-360 |
| Eindrahtschema aktualisieren (mit PlanElec) | €49 |
| Keuring (wenn nötig) | €150-200 |
| Anmeldung Netzbetreiber | €0 (kostenlos) |
| Arbeit gesamt | €399-609 |
| Gesamtkosten | €1.184-1.794 |
|---|
Spartipp: Material selbst kaufen
Sie können erheblich sparen, wenn Sie das Material selbst kaufen und nur die Installation vom Elektriker ausführen lassen. Achten Sie auf CE-Kennzeichnung und kaufen Sie bei spezialisierten Elektrogroßhändlern (z.B. Rexel, Cebeo, Solar).
Häufige Fehler vermeiden
- Kein eigener Stromkreis: Die Wallbox an eine bestehende Steckdose anzuschließen ist nicht nur unsicher, sondern AREI-widrig.
- Falscher FI-Typ: Ohne DC-Sensor in der Wallbox ist ein FI Typ B zwingend erforderlich.
- Fehlender Überspannungsschutz: Der Überspannungsschutz (SPD) wird oft vergessen — der Kontrolleur bemängelt es.
- Kein aktualisiertes Eindrahtschema: Jede Änderung an der Installation muss im Schema dokumentiert werden.
- Keine Anmeldung beim Netzbetreiber: Ab ca. 5 kVA ist die Anmeldung Pflicht (genaue Schwelle variiert je nach Netzbetreiber).
- Zu dünner Kabelquerschnitt: Besonders bei langen Leitungswegen (>15m) den Spannungsabfall beachten.
Erdungshinweis: Voraussetzung für eine sichere Wallbox-Installation: Die gesamte Erdungskette (Erdungselektrode, Hauptpotentialausgleich, Schutzleiter) muss intakt sein. Bei älteren Installationen ohne ordnungsgemäße Erdung ist eine Nachbesserung erforderlich.
Fazit
Die Installation einer Wallbox in Belgien ist gut machbar, erfordert aber die Einhaltung der AREI-Vorschriften nach Artikel 7.22. Die wichtigsten Punkte: eigener Stromkreis, richtiger FI-Typ, Überspannungsschutz (Art. 4.5.1) und ein aktualisiertes Eindrahtschema. Mit einer sorgfältigen Planung und den richtigen Materialien bestehen Sie die Keuring problemlos.
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