Kabelwege und Leitungslängen: wie ermittle ich die Länge einer Leitung im Elektroplan?
Die Luftlinie ist systematisch zu kurz. Installationszonen nach 5.2.9.10, Verlegeart und Weg, Segmentierung an Verbindungsdosen, Zuschläge als Fachpraxis und wann das AREI die Länge im Schema verlangt.
Wie ermittle ich die Länge einer Leitung im Elektroplan?
Nicht als Luftlinie, sondern als der Weg, den das Kabel tatsächlich nimmt: waagerecht entlang der Wände, senkrecht an den Enden hinauf oder hinab zum Gerät, mit den Umwegen um Türen und Fenster und mit der Reserve im Verteiler und in der Dose. Die Luftlinie ist keine ungenaue Schätzung dieses Wegs, sie ist eine untere Schranke — und zwar eine, die in Innenräumen regelmäßig 30 bis 60 % unter dem realen Wert liegt.
Das ist keine Kosmetik. Die Länge ist die Eingangsgröße des Spannungsfalls und damit ein Kriterium der Querschnittswahl (Unterabschnitt 5.2.1.2 Buchstabe b), und sie ist die Mengeneinheit der Materialkalkulation. Eine geratene Länge macht beide Rechnungen wertlos, ohne dass es jemandem auffällt.
| Wegabschnitt | Wodurch er bestimmt wird | Woher der Wert kommt |
|---|---|---|
| Waagerechter Lauf entlang der Wände | Grundriss und die zulässige Installationszone | im Plan messbar |
| Senkrechter Lauf zwischen Zonenband und Gerät | Einbauhöhe des Geräts gegenüber der Höhe des waagerechten Bands | Einbauhöhe minus Zonenhöhe |
| Senkrechter Lauf ins nächste Geschoss | Geschosshöhe und Lage des Steigwegs | Bauplan, Schnitt |
| Umweg um Tür-, Fenster- und Wandöffnungen | Unterabschnitt 5.2.9.10 Buchstabe b | im Plan messbar |
| Erdstrecke zum Nebengebäude | Grabenverlauf plus je ein Ein- und Ausstieg auf Verlegetiefe | Mindesttiefe 0,60 m nach Unterabschnitt 5.2.9.2 Buchstabe a |
| Reserve am Klemmpunkt im Verteiler | Klemmenlage, Rangierung, spätere Änderbarkeit | Betriebskonvention — keine Norm |
| Reserve in Dose, Schalter oder Gerät | Anschlussart und Platz im Gehäuse | Betriebskonvention — keine Norm |
Die letzten beiden Zeilen sind bewusst so gekennzeichnet: Das AREI nennt für Zuschläge und Reservelängen keinen Wert. Warum daraus trotzdem eine Pflicht folgt, steht weiter unten.
Warum ist die Luftlinie systematisch zu kurz?
Weil eine unter Putz eingebaute Leitung nicht diagonal laufen darf. Unterabschnitt 5.2.9.10 Buchstabe b bindet elektrische Leitungen, die ohne Elektroinstallationsrohr in Wände von Räumlichkeiten eingebaut werden, an ein festes Raster:
- Der Verlauf besteht ausschließlich aus waagerechten und senkrechten Führungen; waagerechte Führungen in Decken verlaufen rechtwinklig zu den senkrechten Wänden.
- Waagerechte Führungen liegen 25 bis 35 cm über dem Boden beziehungsweise unter der Decke, ebenso 25 bis 35 cm über der Unterseite von Fensterstürzen — sofern dann mindestens 25 cm Abstand zur Decke bleiben.
- Senkrechte Führungen liegen so nah wie möglich an einer Raumecke oder in einem Abstand von 10 bis 20 cm zu Türeinfassungen und -zargen.
- Eine Verlegung außerhalb dieser Installationszonen erfolgt senkrecht über dem sichtbaren Gerät.
- Die abdeckende Putzschicht beträgt mindestens 0,4 cm.
Das Raster hat einen Sicherheitszweck — wer später bohrt, soll wissen, wo nichts liegt — und eine Nebenwirkung auf die Länge: Jede Diagonale wird zur Treppe aus einem waagerechten und einem senkrechten Stück, jede Türöffnung erzwingt einen Bogen darüber oder darunter.
Ein durchgerechnetes Beispiel. Ein Schalter liegt 6,0 m Luftlinie vom Verteiler entfernt, quer durch den Raum. Entlang der Wände sind es 4,2 m plus 3,6 m, also 7,8 m. Dazu kommt der Aufstieg vom Klemmpunkt im Verteiler in das waagerechte Band, sagen wir 0,9 m, und der Abgang vom Band auf die Schalterhöhe von 110 cm, also rund 0,8 m. Zusammen 9,5 m — 58 % mehr als die Luftlinie, und das ohne jede Reserve.
Bei einer Steckdose fällt der letzte Schritt fast weg: Liegt das waagerechte Band 25 bis 35 cm über dem Boden und die Steckdose auf 30 cm, ist der senkrechte Abgang praktisch null. Genau deshalb lohnt es sich, Schalter und Steckdosen getrennt zu betrachten, statt einen pauschalen Aufschlag auf alles zu legen.
Was bedeutet die Verlegeart für die Länge?
Sie entscheidet, ob das Zonenraster überhaupt gilt und welche geometrischen Zwänge dazukommen.
| Verlegeart | Wirkung auf den Weg | Fundstelle |
|---|---|---|
| Unterputz ohne Rohr, in Wänden | An das Zonenraster gebunden; Putzdeckung ≥ 0,4 cm | 5.2.9.10 Buchstabe b |
| In Beton oder Zement eingebaut | Deckung ≥ 3 cm; der Weg folgt Schalung und Bewehrung, nicht der kürzesten Linie | 5.2.9.10 Buchstabe a |
| Unterputz im Elektroinstallationsrohr | Das Zonenraster von 5.2.9.10 b gilt dem Wortlaut nach nicht; dafür Mindestkrümmungsradien und die Pflicht, Leiter jederzeit einziehen und entfernen zu können | 5.2.9.3 Buchstabe e |
| Aufputz, Kabelwanne, Kabelrinne | Freiere Führung, aber Zugkräfte aus dem Eigengewicht dürfen bei senkrechten Abschnitten nicht auf die Klemmen wirken | 5.2.9.5, 5.2.9.6 |
| Unter Leisten und Fußleisten | Weg folgt dem Fußleistenverlauf, also faktisch dem Raumumfang | 5.2.9.4 |
| Erdverlegt | Mindestens 0,60 m Tiefe, sofern technisch möglich ⇒ zwei senkrechte Stücke zusätzlich zur Grabenlänge | 5.2.9.2 Buchstabe a |
| Kleinspannung (ELV) | Buchstabe b von 5.2.9.10 ist ausdrücklich ausgenommen — Klingel- und SELV-Leitungen sind nicht an das Zonenraster gebunden | 5.2.9.15 Buchstabe b |
Die Krümmungsradien für vor Ort gebogene Rohre sind konkret: nicht kleiner als das Zehnfache des Außendurchmessers bei metallischen Rohren, das Achtfache bei flexiblen thermoplastischen und das Fünffache bei starren thermoplastischen Rohren (Unterabschnitt 5.2.9.3 Buchstabe e). Bei einem 25-mm-Rohr sind das 12,5 bis 25 cm Radius je Ecke. In einer Wohnung mit einem Dutzend Richtungswechseln je Stromkreis summiert sich das.
Welche Verlegeart wann sinnvoll ist, behandelt Preflex oder freie Verlegung; die Kabeltypen selbst stehen in XVB oder VOB.
Zählt die einfache Strecke oder Hin- und Rückweg?
Die einfache Strecke, vom Verteiler zum Verbraucher. Der Rückleiter steckt in der Formel, nicht in der Eingabe: Einphasig steht dort der Faktor 2, dreiphasig der Faktor √3. Wer die doppelte Länge einträgt, rechnet den Rückleiter zweimal und wählt den Querschnitt unnötig groß.
Das Kriterium selbst steht nicht als Zahl im AREI. Abschnitt 5.2.5 — in der deutschen Fassung „Spannungsänderung“, auf Niederländisch „Spanningsval“, auf Französisch „Chute de tension“ — verlangt nur, den Spannungsfall auf die in den Regeln des Fachs beschriebenen Werte zu begrenzen. Die verbreiteten 3 % für Beleuchtung und 5 % für andere Endstromkreise sind eine Auslegung nach IEC/NBN HD 60364-5-52. Rechenweg, Netzformen und Beispiele stehen in Spannungsfall berechnen; die Zuordnung von Querschnitt zu Schutzorgan in Kabelquerschnitt je Sicherungsautomat.
Wie zählt eine Leitung, die an einer Verbindungsdose geteilt ist?
Physikalisch sind es mehrere Kabel, elektrisch ist es ein Pfad. Für den Spannungsfall zählt die Summe über den gesamten Weg vom vorgeschalteten Schutzorgan bis zum Verbraucher, nicht das längste Einzelsegment. Drei Teilstrecken von je 12 m ergeben 36 m, und wer nur das letzte Stück rechnet, unterschätzt das Ergebnis um zwei Drittel.
Warum die Teilung trotzdem im Modell stehen muss:
- Jede Teilstrecke kann einen eigenen Querschnitt und eine eigene Verlegeart haben. Beides gehört für hauswirtschaftliche Anlagen ins Einstrich-Schema (Unterabschnitt 3.1.2.2 Buchstabe a), und beides beeinflusst die Rechnung unterschiedlich.
- Verbindungs- und Abzweigdosen sind selbst pflichtiger Schemainhalt und müssen zusätzlich mit ihrer Lage im Lageplan erscheinen (Unterabschnitt 3.1.2.3 Buchstabe a).
- Verbindungen dürfen nur an definierten Orten liegen: in Verteiler- und Schaltgerätekombinationen, in Verbindungs- oder Abzweigdosen, an Klemmen von Schaltern und Steckdosen oder in ausreichend großen Deckendosen (Unterabschnitt 5.2.6.1). Ein Stoß mitten in der Wand ist keine Wegoption, sondern ein Mangel.
- Bei eingebauten Rohrinstallationen gilt zusätzlich: In Verbindungs-, Abzweig- und Zugdosen bleiben Leiter und Kabel zugänglich, und T-Stücke sowie Winkel sind verboten (Unterabschnitt 5.2.9.3 Buchstabe i.2). Die Dose ist damit auch geometrisch ein Wegpunkt und keine bloße Klemmstelle.
Welche Zuschläge und Reservelängen sind üblich — und was sagt das AREI dazu?
Zur Höhe eines Zuschlags sagt das AREI nichts. Weder Abschnitt 5.2.5 noch Abschnitt 5.2.9 noch die Dokumentationsvorschriften in Abschnitt 3.1.2 nennen einen Prozentsatz, eine Reservelänge oder einen Verschnittfaktor. Jede Zahl, die Sie dafür verwenden, ist eine Konvention Ihres Betriebs — und muss auch so im Rechenblatt stehen.
Was das Regelwerk stattdessen festlegt, sind die Bedingungen, aus denen eine Reserve überhaupt erst folgt:
- Anschlüsse an Geräten dürfen keinen Zug- und Drehkräften ausgesetzt sein (Unterabschnitt 5.2.6.2 Buchstabe b).
- Bei senkrechten Abschnitten dürfen Zugkräfte aus dem Eigengewicht der Leitungen nicht auf Anschlussklemmen wirken (Unterabschnitt 5.2.9.5).
- In Elektroinstallationsrohren muss es jederzeit möglich sein, Leiter oder Kabel einzuziehen oder zu entfernen (Unterabschnitt 5.2.9.3 Buchstabe e). Ein Rohrweg auf Kante gerechnet macht genau das unmöglich.
- In Dosen bleiben die Leiter zugänglich (Unterabschnitt 5.2.9.3 Buchstabe i.2) — was ohne eine Schlaufe im Gehäuse nicht funktioniert.
Praktisch heißt das: Der Zuschlag ist keine Sicherheitsmarge auf eine unsichere Rechnung, sondern eine Materialposition mit einem Zweck. Wer ihn pauschal als Prozentsatz auf die Gesamtlänge legt, sollte den Prozentsatz, seine Herkunft und den Stand, für den er gilt, mit dokumentieren. Ein Wert ohne Herkunft ist beim nächsten Planungsstand nicht mehr nachvollziehbar und wandert stillschweigend in Angebote.
Muss die Leitungslänge im Eindrahtschema stehen?
Hier trennt das AREI zwei Fälle, und die Unterscheidung wird häufig übersehen.
| Unterlage und Anlagenart | Verlangte Angaben zur Leitung | Länge gefordert? | Fundstelle |
|---|---|---|---|
| Einstrich-Schema, hauswirtschaftliche Anlage | Typ, Querschnitt, Anzahl Leiter, Art der Verlegung | nein | 3.1.2.2 Buchstabe a |
| Schaltplan, nicht hauswirtschaftliche Anlage | Verlegeart, Art, Anzahl und Querschnitt der Leiter und Länge der elektrischen Leitungen | ja | 3.1.2.2 Buchstabe b |
| Gemeinschaftliche Teile einer Wohnanlage | Darf sich auf die Vorschriften für hauswirtschaftliche Anlagen beschränken | nein | 3.1.2.1 Buchstabe e |
| Lageplan, hauswirtschaftliche Anlage | Lage von Verteilern, Verbindungs- und Abzweigdosen, Steckdosen, Lichtpunkten, Schaltern, ortsfesten Geräten und Quellen | nein — Lage, nicht Länge | 3.1.2.3 Buchstabe a |
Die Länge ist im Wohnungsbau also eine Auslegungsgröße, keine Zeichnungspflicht. Genau das macht sie gefährlich: Weil sie nirgends im Schema erscheinen muss, prüft sie auch niemand — während der Querschnitt, der aus ihr folgt, sehr wohl im Schema steht und geprüft wird. Wer die Länge nicht festhält, kann später nicht mehr begründen, warum an einer Stelle 2,5 mm² und an einer anderen 4 mm² gewählt wurde.
Für eine nicht hauswirtschaftliche Anlage ist die Sache eindeutig: Ohne Längenangabe ist der Schaltplan unvollständig.
Wie kommt man von der Länge zur Materialliste und zum Preis?
Über zwei getrennte Ausgaben, die dieselbe aufgelöste Länge verwenden.
Die Kabelliste führt je Kabel eine Zeile: Typ, Aderzahl, Querschnitt, Länge, Von und Nach, die Verlegearten entlang der Route und die CPR-Brandklasse; dazu Strom, Spannungsfall in Volt und Prozent, Endspannung und das angewandte Limit. Fehlt eine Länge, bleibt die Zeile ohne Zahl statt mit einem geschätzten Wert.
Die Materialliste fasst dieselben Kabel je Ausführung zusammen und gibt sie in Metern aus; liegt ein Meterpreis vor, ergibt sich daraus die Position. Zwei Punkte gehören dazu ausdrücklich gesagt:
- Die ausgewiesenen Längen sind Nettolängen aus dem Modell; Verschnitt und Installationsreserven sind nicht eingerechnet. Der Zuschlag aus dem vorigen Abschnitt ist also noch nicht drin.
- Ein Stromkreis ohne Kabelroute verschwindet nicht, sondern erscheint mit 0 m und dem Hinweis „Routing fehlt“. Eine Materialliste, die für ein ganzes Haus verdächtig knapp aussieht, hat meist genau diese Zeilen.
Dieselbe Unterscheidung macht die Projektübersicht: Sie zeigt entweder eine vollständige Gesamtlänge, oder eine mit „≥“ gekennzeichnete Teilsumme samt Anzahl der fehlenden Längen, oder gar keine Zahl. Eine tatsächliche Gesamtlänge von 0 m und eine unbekannte Länge sind zwei verschiedene Zustände.
Wie legt PlanElec den Kabelweg automatisch, und wo bleiben Wegpunkte nötig?
Im Situationsplan unter Verknüpfen & Leitungen → Kabelroute. Existieren Kabel in der Topologie, verlegen Sie für die aktive Etage alle auf einmal oder eine ausgewählte Leitung einzeln.
Der Algorithmus sucht den kürzesten Weg entlang der gezeichneten Wände, nicht quer durch den Raum: Start- und Zielpunkt werden auf die jeweils nächstgelegene Wandkante projiziert, dann läuft eine Kürzeste-Wege-Suche über die Wandknoten. Gibt es keinen Wandpfad — etwa weil der Grundriss an der Stelle unterbrochen ist —, fällt die Route auf die direkte Linie zurück. Die ausgegebene Länge folgt exakt der sichtbaren Polylinie; bewusst schräge Wandsegmente werden nicht künstlich auf ein orthogonales Maß verlängert.
Zum Nachbearbeiten wählen Sie eine Kabellinie: Ein Klick auf eine Strecke fügt einen Wegpunkt ein und startet das Verschieben, ein Doppelklick entfernt ihn. Ein gezogener Wegpunkt wird erst beim Loslassen gespeichert und lässt sich in einem Schritt zurücknehmen. Beim Neuaufbau eines Stromkreises bleiben Kabelangabe, manuelle Länge und der gepflegte Weg erhalten.
Vier Grenzen, die Sie kennen sollten:
- Der automatische Weg ist zweidimensional. Er liegt in der Etagenebene; Höhenunterschiede innerhalb eines Geschosses — der Aufstieg ins Zonenband, der Abgang zum Schalter — gehen nicht in die Länge ein. Genau dafür sind Wegpunkte da, oder die manuelle Länge.
- Zwischen Geschossen wählen Sie ausdrücklich eine vorhandene Treppe, einen Schacht oder einen Steigweg. PlanElec erfindet keine vertikale Verbindung. Fehlt sie oder fehlen belastbare Höhen, bleibt die Route unvollständig, statt eine scheinbare Länge auszugeben. Ist die Verbindung vorhanden, zählt die Höhendifferenz mit.
- Die manuelle Länge hat Vorrang vor der berechneten Route. Das ist der bewusste Ausweg für gemessene Strecken — und die Stelle, an der ein alter Wert unbemerkt stehen bleiben kann, wenn sich der Weg später ändert.
- Die Wandführung ist eine Annahme über die Ausführung, keine Feststellung. Ob das Kabel in der Zone, im Rohr oder auf Putz liegt, entscheidet die Verlegeart, die Sie je Teilstrecke setzen — nicht der Router.
Die Bedienung Schritt für Schritt steht in der Anleitung Schalterketten, Stromkreise und Kabelwege. Welcher Schaltertyp am Ende der Kette steht, behandelt Wechsel-, Kreuz- oder Serienschaltung.
Was die AREI-Selbstprüfung zur Länge nicht leistet
Die Selbstprüfung ist orientierend und beurteilt nur unterstützte Regeln anhand der erfassten Daten. Zur Länge konkret:
- Sie rechnet den Spannungsfall nur bei vollständigem Pfad. Fehlt die Länge auch nur einer Teilstrecke zwischen Schutzorgan und Verbraucher, oder lässt sich der Pfad nicht durchgängig zurückverfolgen, meldet sie eine Datenlücke statt eines Ergebnisses. Das ist beabsichtigt: Ein aus Teildaten gerechneter Wert wäre systematisch zu günstig.
- Sie rechnet mit Annahmen, nicht mit Messwerten: 80 % des Bemessungsstroms des vorgeschalteten Schutzorgans als Lastfall, cos φ 0,95, Kupfer, ein reines Widerstandsmodell ohne Reaktanz und ohne Temperaturkorrektur.
- Die Grenzwerte 3 % und 5 % sind eine Auslegung nach IEC/NBN, kein Wortlaut des AREI. Abschnitt 5.2.5 verweist auf die Regeln des Fachs.
- Sie prüft nicht, ob der gezeichnete Weg der tatsächlichen Verlegung entspricht, ob das Zonenraster nach 5.2.9.10 Buchstabe b eingehalten wurde oder ob eine Reserve vorgesehen ist. Das geht aus keiner Zeichnung hervor.
- Sie prüft nicht die Strombelastbarkeit unter realer Verlegeart, Häufung und Umgebungstemperatur. Unterabschnitt 4.4.1.4 nennt diese Einflussgrößen ausdrücklich; die dortige Tabelle 4.11 begrenzt nur das Schutzorgan je Leiterquerschnitt und ist kein vollständiger Nachweis.
- Sie ersetzt weder Messung noch Kontrolle. Die offizielle Beurteilung erfolgt ausschließlich durch eine zugelassene Stelle.
Weiterführende Artikel
- Spannungsfall berechnen: Wie lang darf das Kabel sein?
- Kabelquerschnitt je Sicherungsautomat
- Preflex oder freie Verlegung
- XVB oder VOB: welches Kabel wofür?
- Wechsel-, Kreuz- oder Serienschaltung
- Situationsplan zeichnen
PlanElec öffnen und Kabelwege verlegen →
Regelgrundlage: AREI/RGIE Buch 1 V06 — Unterabschnitte 3.1.2.1, 3.1.2.2, 3.1.2.3, 4.4.1.4 mit Tabelle 4.11, 5.2.1.2, 5.2.6.1, 5.2.6.2, 5.2.9.2, 5.2.9.3, 5.2.9.4, 5.2.9.5, 5.2.9.6, 5.2.9.10 und 5.2.9.15 sowie Abschnitt 5.2.5. Maßgeblich bleiben die amtliche Fassung, der reale Anlagenzustand und die Kontrolle der zugelassenen Stelle.