FAQ

Ausschaltvermögen von Leitungsschutzschaltern: 3, 6 oder 10 kA?

Was 3 kA, 6 kA und 10 kA bedeuten, welche Mindestwerte das AREI für hauswirtschaftliche Anlagen nennt, wovon der Kurzschlussstrom am Einbauort abhängt und wie die Angabe ins Eindrahtschema kommt.

Veröffentlicht am 21. September 2026 Aktualisiert am 5. Oktober 2026 9 min

Was bedeuten 3 kA, 6 kA und 10 kA auf einem Leitungsschutzschalter?

Der kA-Wert ist das Ausschaltvermögen: der Strom, den die Schutzeinrichtung bei einer bestimmten Spannung und unter vorgeschriebenen Einsatz- und Betriebsbedingungen unterbrechen kann. So definiert es das AREI in Abschnitt 2.6.4. Ein Automat mit 3 kA beherrscht einen Kurzschluss von 3.000 A an seiner Einbaustelle; ein Kurzschlussstrom darüber kann ihn zerstören, statt von ihm abgeschaltet zu werden.

Die Größe hat nichts mit dem aufgedruckten Nennstrom zu tun. Ein C16 mit 3 kA und ein C16 mit 10 kA schützen dieselbe Leitung gegen dieselbe Überlast — sie unterscheiden sich nur darin, wie viel Kurzschlussenergie sie beim Abschalten selbst überleben.

Entscheidend ist deshalb nicht, was dir am Gerät gefällt, sondern welcher Kurzschlussstrom am Einbauort zu erwarten ist. Genau so formuliert es das AREI: Kurzschluss-Schutzeinrichtungen müssen ein Ausschaltvermögen aufweisen, das mindestens dem nach den Regeln des Fachs festgelegten unbeeinflussten Kurzschlussstrom an der Stelle entspricht, an der die Einrichtung installiert ist (Unterabschnitt 4.4.2.1 Nr. 1).

Welches Ausschaltvermögen verlangt das AREI in einer Wohnungsanlage?

Anders als beim Bemessungsstrom bleibt es hier nicht bei einem Prinzip: Für hauswirtschaftliche Anlagen nennt Unterabschnitt 5.3.5.5 Buchstabe e konkrete Zahlen.

Der Ausgangspunkt ist eine Obergrenze, keine Geräteeigenschaft: An den Ausgangspolen der ersten Überstrom-Schutzeinrichtungen nach der oder den Haupt-Differenzstrom-Schutzeinrichtungen darf der unbeeinflusste einphasige Kurzschlussstrom 3.000 A nicht überschreiten. Vor diesen Ausgangspolen gelten Mindestwerte:

Stelle in der AnlageAREI-Anforderung (5.3.5.5 e)Typische Gerätewahl
Überstrom-Schutzeinrichtung des Verteilnetzbetreibers (vor dem Zähler)Mindestausschaltvermögen 6.000 AGerät des VNB, nicht deine Wahl
Sicherungen und Kontaktstift-Leitungsschutzschalter der AnlageMindestausschaltvermögen 3.000 AAltbestand, heute selten neu gesetzt
Überstrom-Schutzeinrichtungen der Anlage allgemeinMindestausschaltvermögen 3.000 A, Kennzeichnung „3000" im RechteckLS mit Icn 3 kA oder höher
Erste LS nach der VNB-Schutzeinrichtung (außer Kontaktstift-LS)zusätzlich Kennzeichnung Energiebegrenzungsklasse 3LS mit Klasse-3-Kennzeichnung
Differenzstrom-Schutzeinrichtungen und Abschalteinrichtungenhalten I²t ≥ 22,5 kA²s bei 3.000 A standFI mit Aufdruck „3000 A, 22,5 kA2s" (In ≤ 40 A)
Nachgeschaltete Abgangsautomaten (hinter den oben genannten Ausgangspolen)folgen aus 4.4.2.1 Nr. 1 dem dort herrschenden Kurzschlussstrom (≤ 3.000 A)LS mit Icn ≥ 3 kA

Zwei Lesarten sind damit ausgeschlossen. Erstens: „3 kA reicht immer" — das gilt nur, solange die 3.000-A-Obergrenze an den genannten Ausgangspolen tatsächlich eingehalten ist. Zweitens: „6 kA ist Pflicht" — die 6.000 A betreffen das Gerät des Verteilnetzbetreibers, nicht deine Abgangsautomaten. 6 kA im Verteiler ist eine verbreitete und unschädliche Reserve, aber keine AREI-Vorgabe für den Abgang.

Für nicht hauswirtschaftliche Anlagen nennt das AREI keine solchen Zahlen. Dort bleibt allein Unterabschnitt 4.4.2.1 Nr. 1 maßgeblich, und der Kurzschlussstrom ist am Einbauort zu ermitteln.

Was unterscheidet Icn, Icu und Ics — und welcher Wert steht auf einem Haushaltsautomaten?

Diese drei Kürzel stammen nicht aus dem AREI, sondern aus den Produktnormen der Geräte. Das AREI verweist dafür ausdrücklich auf die vom König bestätigten beziehungsweise vom NBN registrierten Normen (Unterabschnitt 5.3.5.5 Buchstabe d für Sicherungen, Buchstabe a für die Kalibrierungskomponenten).

  • Icn — Bemessungskurzschlussausschaltvermögen nach IEC 60898-1, der Norm für Leitungsschutzschalter zum Hausgebrauch. Das ist der Wert, den ein DIN-Schienen-Automat in einer belgischen Wohnungsverteilung trägt. Er steht als Amperezahl ohne Einheit in einem Rechteck auf dem Gerät — die „3000" aus 5.3.5.5 e ist genau diese Kennzeichnung.
  • Icu — Grenzkurzschlussausschaltvermögen nach IEC 60947-2, der Norm für Leistungsschalter im industriellen Bereich. Der Schalter schaltet den Kurzschluss ab und ist danach nicht mehr zwingend betriebsfähig.
  • Ics — Betriebskurzschlussausschaltvermögen nach derselben Norm: der Strom, nach dessen Abschaltung das Gerät weiterbetrieben werden darf. Ics wird als Anteil von Icu angegeben (etwa 50 %, 75 % oder 100 %).

Praktische Folge für die Zeichnung: Planst du ein Wohnhaus, dokumentierst du Icn. Icu und Ics tauchen erst auf, wenn im Verteiler ein Leistungsschalter nach IEC 60947-2 sitzt — etwa als Hauptschalter einer größeren Anlage.

Das AREI kennt daneben einen eigenen Begriff für den verstärkten Fall: Ist der nachgeschalteten Schutzeinrichtung ein Leitungsschutzschalter und der vorgeschalteten eine Sicherung oder ein Leitungsschutzschalter, weist der nachgeschaltete Automat durch diese Technik ein verstärktes Grenzkurzschlussausschaltvermögen auf (Unterabschnitt 4.4.1.3).

Wovon hängt der Kurzschlussstrom am Einbauort ab?

Der unbeeinflusste Kurzschlussstrom ist keine Eigenschaft deiner Installation allein. Er ergibt sich aus der Impedanz der gesamten Schleife vom speisenden Transformator bis zur Fehlerstelle und sinkt mit jedem Meter Leitung:

  • Leistung und Kurzschlussspannung des speisenden Transformators — je größer der Transformator, desto höher der Kurzschlussstrom auf der Niederspannungsseite.
  • Länge und Querschnitt der Netzanschlussleitung vom Verteilerkabel bis zum Zählerkasten.
  • Länge und Querschnitt der Leitungen innerhalb der Anlage — deshalb liegt der Wert an einem Abgangsautomaten immer unter dem an der Einspeisung.
  • Anzahl und Art der in Reihe liegenden Verbindungen — Klemmen, Sammelschienen, Kammschienen.

Das AREI spiegelt das im Dokumentationspflichtenkatalog: Für nicht hauswirtschaftliche Anlagen sind unter anderem die Eigenschaften der Quellen (Scheinleistung, Nennspannungen, Nennströme, Impedanzen) sowie Verlegeart, Leiterzahl, Querschnitt und Länge der elektrischen Leitungen anzugeben — und ausdrücklich die höchsten unbeeinflussten Kurzschlussströme über 3.000 A am Speisepunkt der Anlage und in jeder Verteiler- und Schaltgerätekombination (Unterabschnitt 3.1.2.2 Buchstabe b). Genau diese Größen gehen in die Berechnung ein.

Die belastbare Zahl für deinen Anschluss liefert der Verteilnetzbetreiber. Sie hängt von der konkreten Kabinenleistung und Anschlusslänge ab; eine Faustzahl für „den belgischen Hausanschluss" taugt nicht als Auslegungsgrundlage. Frag den Wert ab, statt ihn zu schätzen – das AREI verlangt eine Festlegung „nach den Regeln des Fachs" (Unterabschnitt 4.4.2.1 Nr. 1).

Was tun, wenn das Ausschaltvermögen am Einbauort nicht reicht?

Das AREI lässt einen Automaten mit zu geringem Ausschaltvermögen ausdrücklich zu — aber nur unter einer Bedingung. Unterabschnitt 4.4.1.3 hält fest: Der Einsatz von Schutzeinrichtungen, deren Ausschaltvermögen geringer ist als der unbeeinflusste Kurzschlussstrom an ihrer Einbaustelle, ist zulässig, befreit aber nicht von der Vorschaltung einer anderen Einrichtung, die mindestens über das erforderliche Ausschaltvermögen verfügt. Die vorgeschaltete Einrichtung lässt dann nur so viel Energie durch, wie die nachgeschaltete Einrichtung und die geschützten Leitungen ohne Schaden aushalten.

Sind beide in Reihe liegenden Geräte Leitungsschutzschalter, nennt das AREI dieses Verfahren Backup-Schutz — im RGIE filiation. Und es sagt gleich dazu, woher die Auslegung kommt: Für die Bestimmung der Eigenschaften des Backup-Schutzes sind die Backup-Schutz-Tabellen der Schutzeinrichtungen anzufordern, die nach den Produktnormen für Leitungsschutzschalter erstellt werden (Unterabschnitt 4.4.1.3).

Das ist der entscheidende Punkt: Backup-Schutz lässt sich nicht rechnen und nicht aus Datenblättern ableiten, sondern nur aus der geprüften Kombination zweier konkreter Gerätetypen desselben oder eines freigegebenen Herstellers. Wie sich das in einer mehrgeschossigen Anlage mit Unterverteilungen auswirkt, steht in Elektroplanung über mehrere Etagen.

Wo erscheint das Ausschaltvermögen im Eindrahtschema, und warum will die Kontrolle es sehen?

Im Einstrich-Schema einer hauswirtschaftlichen Anlage sind Typ und Eigenschaften der Überstrom-Schutzeinrichtungen anzugeben (Unterabschnitt 3.1.2.2 Buchstabe a). Das Ausschaltvermögen ist eine solche Eigenschaft; die eingerahmte Amperezahl gehört deshalb neben Bemessungsstrom und Kennlinie an den Automaten.

Für nicht hauswirtschaftliche Anlagen ist das noch deutlicher. Dort nennt Unterabschnitt 3.1.2.2 Buchstabe b die Eigenschaften der Schutzeinrichtungen einzeln und listet ausdrücklich „Bemessungsstrom, Ausschaltvermögen, Art und Eigenschaften der Abschaltung einschließlich Einstellungen" auf. Und die Kennzeichnung jeder Verteiler- und Schaltgerätekombination trägt dort neben Identifizierungsnummer, Versorgungsspannung und geerdetem System auch den höchsten unbeeinflussten Kurzschlussstrom in der Kombination sowie, falls angewendet, die Backup-Schutz-Technik nach 4.4.1.3 (Unterabschnitt 3.1.3.3 Buchstabe b). Der Kontrolleur kann den Sollwert also am Schrank ablesen und mit den Automaten vergleichen.

Für die Kontrolle ist der Wert aus einem zweiten Grund interessant. Die Überschreitung der zugelassenen Kurzschlussleistung von installierten Betriebsmitteln zählt das AREI ausdrücklich zu den Beispielen einer wesentlichen Änderung oder Erweiterung (Abschnitt 2.11.2) — und eine wesentliche Änderung löst eine erneute Konformitätsprüfung aus. Wird der Anschluss verstärkt oder die Kabine gewechselt, prüfst du deshalb die Automaten mit – sonst entsteht neben dem technischen auch ein formales Problem.

Am Gerät selbst ist die Kennzeichnung ohnehin vorgeschrieben: „3000" im Rechteck bei kleinen Leitungsschutzschaltern, und bei FI ohne Überstromschutz mit In ≤ 40 A die Angabe „3000 A, 22,5 kA2s" — zusammen auf derselben Seite und nach der Installation sichtbar (Unterabschnitt 5.3.5.5 Buchstabe e). Steht die Angabe im Schema, ist dieser Sichtvergleich vor Ort in Sekunden erledigt.

Was unterscheidet das Ausschaltvermögen vom Bemessungsstrom und von der B/C/D-Kennlinie?

Drei verschiedene Eigenschaften, drei verschiedene Regeln — sie werden regelmäßig vermengt:

EigenschaftBeantwortet die FrageMaßgebliche Stelle
BemessungsstromAb wann schaltet der Automat wegen Überlast ab?Unterabschnitt 4.4.1.4 mit Tabelle 4.11: Höchstwert je Querschnitt
AuslösecharakteristikWie schnell schaltet er bei welchem Vielfachen des Bemessungsstroms ab?Produktnorm (B/C/D nach IEC 60898-1); das AREI schreibt keine Kurve vor
AusschaltvermögenWelchen Kurzschlussstrom überlebt er beim Abschalten?Unterabschnitt 4.4.2.1 Nr. 1, für Wohnanlagen ergänzt durch 5.3.5.5 e

Tabelle 4.11 begrenzt ausschließlich die Nennstromstärke je Leiterquerschnitt — 1,5 mm² höchstens 16 A, 2,5 mm² höchstens 20 A, 6 mm² höchstens 40 A und so fort. Über das Ausschaltvermögen sagt sie nichts. Ein C20 an 2,5 mm² kann tabellenkonform und beim Ausschaltvermögen trotzdem unterdimensioniert sein. Die Zuordnung Querschnitt ↔ Bemessungsstrom ist in Kabelquerschnitt und Sicherungsautomat vollständig aufgeschlüsselt.

Die Kennlinie wiederum betrifft die Ansprechzeit. Das AREI verlangt dazu nur, dass der Strom nach einem vollkommenen Kurzschluss abgeschaltet wird, bevor die Leitertemperatur den zulässigen Grenzwert überschreitet, und gibt dafür die Adiabatengleichung an (Unterabschnitt 4.4.2.1 Nr. 2). Welcher Buchstabe darauf passt, folgt aus der Last und der Leitungslänge, nicht aus einer AREI-Vorgabe.

Wie erfasst du das Ausschaltvermögen in PlanElec?

Zwei Angaben arbeiten zusammen. Den Kurzschlussstrom (Icc) an der Einspeisung setzt du in den Projekteigenschaften unter der Netzkonfiguration; zur Auswahl stehen 3, 4,5, 6 und 10 kA, dazu die Anzeigeeinheit kA oder A. Der Wert erscheint im Eindrahtschema unter der Netzanschlussbeschriftung.

Das Ausschaltvermögen Icn setzt du je Automat: im Eindrahtschema den Leitungsschutzschalter auswählen und im Inspektor das Feld „Ausschaltvermögen Icn" öffnen. Zur Wahl stehen „Nicht dokumentiert" sowie 3, 4,5, 6, 10, 15, 20 und 25 kA. Seit dem Update vom 28. August 2026 erscheint ein gesetzter Wert als eingerahmte Amperezahl am Automaten — 3 kA als 3000, ohne Einheit, wie es 5.3.5.5 e für die Gerätekennzeichnung vorsieht — und bleibt in Editor, Vorschau und PDF identisch. Werte über 25 kA werden nicht als Rechteck dargestellt, weil IEC 60898-1 dort endet.

„Nicht dokumentiert" ist bewusst ein eigener Zustand und nicht stillschweigend 3 kA: Im Schema steht nur, was du am Gerät tatsächlich abgelesen hast.

Was die AREI-Selbstprüfung beim Ausschaltvermögen prüft

Die Regel „Ausschaltvermögen gegenüber Kurzschlussstrom" arbeitet mit den beiden Angaben aus dem vorigen Abschnitt:

  • Sie vergleicht das Icn jedes Automaten mit der Schwelle min(Einspeise-Icc, 3 kA) und meldet einen Fehler, wenn das Gerät darunter liegt.
  • Sie bewertet nur mit ausdrücklich gesetztem Icc. Fehlt der Wert, siehst du „Ausschaltvermögen nicht bewertbar" – die Prüfung gilt als unvollständig, nicht als bestanden.
  • Fehlt bei einem Automaten das Icn, meldet sie „nicht dokumentiert" als offene Datenlücke.

Die Aufgaben sind klar verteilt. Icc ist eine Eingabe: Den Wert liefert der Verteilnetzbetreiber oder die Berechnung nach den Regeln des Fachs. Backup-Schutz nach 4.4.1.3 belegst du mit den Kombinationstabellen des Herstellers. Energiebegrenzungsklasse 3 und die I²t-Festigkeit der FI (22,5 kA²s bei 3.000 A, 5.3.5.5 e) liest du am realen Gerät ab. Die Beurteilung der errichteten Anlage macht die zugelassene Stelle.

Weiterführende Artikel

Ausschaltvermögen in PlanElec dokumentieren →

Regelgrundlage: AREI/RGIE Buch 1 V06 — Abschnitte 2.6.4 und 2.11.2, Unterabschnitte 3.1.2.2, 3.1.3.3, 4.4.1.3, 4.4.1.4 mit Tabelle 4.11, 4.4.2.1 und 5.3.5.5. Icn, Icu und Ics stammen aus IEC 60898-1 beziehungsweise IEC 60947-2, nicht aus dem AREI. Maßgeblich ist die amtliche Fassung des FÖD Wirtschaft.